Rat für Kulturelle Bildung e. V. –
eine starke Allianz für Kulturelle Bildung!

Der Verein „Rat für Kulturelle Bildung e. V.“ mit Geschäftsstelle in Essen wird von einem Stiftungsverbund getragen, dem sieben Stiftungen angehören. Der Zusammenschluss ermöglicht es den Stiftungen, gemeinsam starke Impulse für die Weiterentwicklung und Verankerung Kultureller Bildung auf zwei Ebenen zu geben:

Diskurspolitik - durch den unabhängiger Expertenrat „Rat für Kulturelle Bildung“
Forschung - durch den „Forschungsfonds Kulturelle Bildung“

19.05.2020

Momentaufnahmen: (#5) "Zwischen Intensität und Erschlagen-sein"

Aktuelles

Mitglieder des Expertenrates berichten, wie sich die Situation unter Corona-Bedingungen bei ihnen inzwischen entwicklet hat und geben Einblicke in ihren Alltag an einer Universität, zwei Kulturinstitutionen und im Bereich Weiterbildung.

Antje Klinge, Professorin für Sportpädagogik und Sportdidaktik an der Fakultät für Sportwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum

"Die Ruhr-Universität Bochum hat sich sehr früh für ein Online-Semester entschieden. Nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten und Verunsicherungen, Lehrveranstaltungen für ein anonymes Gegenüber zu planen und durchzuführen, funktioniert die Lehre erstaunlich gut. Allerdings auf Kosten von Veranstaltungen, in denen körperliche Präsenz und Resonanz nicht ersetzt werden können (Sportkurse, choreografische Werkstätten, Festivals, Praktika an Schulen).

Die von den Studierenden eingereichten Essays oder Gruppenaufgaben sind trotz der Umstände gut. Die neuen Formate scheinen eine größere Konzentration und intensivere Auseinandersetzung mit Inhalten hervorzubringen. Von denjenigen, die sich nicht beteiligen, gibt es allerdings keine Spur, das ist beunruhigend. Die Kommentierung der zahlreichen Eingänge kostet viel Zeit, ebenso individuelle und ertragreiche Online-Beratungen.

Mit dem Hackerangriff auf die Universität am 7.5.20 war mit einem Schlag alles lahmgelegt: Krise in der Krise! Die damit verbundene Abhängigkeit erlebe ich als Abgehängt-Sein von der Außenwelt mit Folgen. Seitdem der Mail-Verkehr wieder möglich wird, werde ich erschlagen."

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Mustafa Akça (re.) bei einem Auftritt vor Corona-Zeiten am 5. März 2020, Industriesalon in Schöneweide (Foto: Anke P. Peters )

Mustafa Akça (re.), Leiter des interkulturellen Projekts „Selam Opera“ an der Komischen Oper Berlin

"Der Kern von Selam Opera! sind Begegnungen von Musiktheater und Menschen - doch genau das gestaltet sich unter den aktuellen Umständen als fast unmöglich. Oper im Netz ist eine Lösung, kann aber nicht mit dem unmittelbaren Erleben von Oper mithalten. 

Seit Wochen sitzen wir mit unseren Teams an der Komischen Oper Berlin regelmäßig zusammen und suchen einen Weg, wieder in den direkten Kontakt mit den Berliner*innen zu kommen. Als besonders flexibel und anpassungsfähig an die Corona-Auflagen haben sich unsere „Selam Opera“ Outreach-Formate erwiesen, weil sie auf ein kleineres Publikum und auf nicht fest definierte Räumlichkeiten setzen. 

Wir freuen uns darauf, mit unserem bewährten Operndolmuş-Team unter Berücksichtigung eines ausgeklügelten Hygienekonzepts ab Juni Hinterhofkonzerte unter dem Titel “Komş​u-Dolmuş“ (etwa „Voll mit Nachbar*innen“) für die Berliner Stadtgesellschaft geben zu können.

Es werden besondere und sehr persönliche Begegnungen sein - aber das war und ist die besondere Qualität unseres seit vielen Jahren schon durch die Stadt und darüber hinaus tourenden Operndolmuş!"

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Florian Höllerer, Leiter des Literarischen Colloquiums Berlin (LCB)

"Der bislang größte Kraftakt bestand in der digitalen Durchführung unseres zweitägigen Festivals zum Thema Herkunft, in Zusammenarbeit mit der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Die zwölf in Auftrag gegebenen Essays zu Redewendungen wie "aus gutem Hause kommen" oder "jemanden in Sippenhaft nehmen" liegen nun auch als Online-Booklet vor.

Für unser aktuelles Programm wird gerade sehr deutlich, dass es keine Patentlösung für die mediale Umwandlung von Abenden gibt, sondern je nach Inhalt individuelle Lösungen gefunden werden müssen – etwa für die Comic-Lesung für Jugendliche von Anke Kuhl, die wir nun halb mit vorproduziertem Material im Scrollytelling-Format planen und halb als Live-Gespräch: Mittwoch, 20. Mai, 18.00 Uhr.

Viele der von uns für April bis Juni eingeladenen Gäste werden in unsere Reihe "weiter lesen: das LCB im rbb" aufgenommen. Eine Kooperation mit dem rbb, die für uns ein großes Glück ist: acht Radiosendungen im Monat mit Autor:innen, eingeleitet von unseren Moderatoren oder LCB-Mitarbeitern.

Was die Stipendiatenaufenthalte angeht: Bis zum Sommer werden wir auf Gäste verzichten müssen, haben aber noch Hoffnung, viele der Residenzen im Herbst nachholen zu können. Manches muss allerdings auch ins nächste Jahr verschoben werden, etwa die fünf Autor:innen aus Montréal, die im Rahmen des TOLEDO-Programms "Cities of Translators" im Mai nach Berlin gekommen wären. Wir werden am 25. Mai dennoch online eine lange Montréal-Nacht veranstalten, die alle fünf Stipendiaten mittels Film, Skype-Gespräch oder schriftlichem Interview etc. einbezieht."

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Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss, Leiterin der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel

"An der Bundesakademie für Kulturelle Bildung planen wir derzeit, ab Juli 2020 wieder kleinere Präsenzseminare durchzuführen und sitzen an unserem Hygienekonzept, das viele, auf unser Haus spezifisch zugeschnittene Punkte enthält. Zugleich überlegen wir, wie wir die Durchführung eines Seminars bei uns in Wolfenbüttel trotz aller Schutzmaßnahmen angenehm und kontaktfreudig durchführen. Niemand will ja in einer sterilen Atmosphäre drei Tage ein Seminar besuchen, aber gleichzeitig wollen wir natürlich eine hohe Sicherheit gewährleisten.

Gleichzeitig entwickeln wir unsere Online-Angebote weiter und machen die Erfahrung, dass die meisten, speziell für dieses Format entwickelte Angebote, wahnsinnig gut laufen und wir vielfach überbucht sind. Das führt zu Überlegungen wie wir es mit dem Digitalen in Nach-Corona-Zeiten halten wollen.

Bei all diesen Entwicklungspotentialen und auch positiven neuen Erfahrungen beunruhigt uns die Frage nach den finanziellen Einbußen und deren Ausgleich, vor allem auch für die kommenden Monaten und für 2021."