Rat für Kulturelle Bildung e. V. –
eine starke Allianz für Kulturelle Bildung!

Der Verein „Rat für Kulturelle Bildung e. V.“ mit Geschäftsstelle in Essen wird von einem Stiftungsverbund getragen, dem sieben Stiftungen angehören. Der Zusammenschluss ermöglicht es den Stiftungen, gemeinsam starke Impulse für die Weiterentwicklung und Verankerung Kultureller Bildung auf zwei Ebenen zu geben:

Diskurspolitik - durch den unabhängiger Expertenrat „Rat für Kulturelle Bildung“
Forschung - durch den „Forschungsfonds Kulturelle Bildung“

22.04.2020

Momentaufnahmen: (#4) Aktive Auseinandersetzung mit Themen der Krise

Aktuelles

Wegen der Corona-Pandemie mussten wir unsere für den 14. Mai geplante Tagung „Zukunft durch Kulturelle Bildung gestalten“ auf den 22. Oktober verschieben. Wir freuen uns, dass die rund 20 Mitwirkenden – Speaker, Podiumsgäste und Best-Practice-Projekte – auch im Herbst dabei sein wollen. Wir haben bei einigen nachgefragt, was sich durch Corona gerade bei ihnen verändert und wie sie die aktuelle Situation gestalten. Auch unser Kooperationspartner, das Haus Bastian von den Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, gibt hier einen Einblick:

Leonard Schmieding

Leonard Schmieding, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Bildung und Vermittlung, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz:

„Die Museen sind derzeit geschlossen und uns fehlt der Alltag: Normalerweise bringen wir Menschen mit Kunstwerken zusammen, damit sie sich über verschiedene Perspektiven austauschen. Das geht zurzeit nicht. Im Projekt zur politischen Bildung in Museen beispielsweise nehmen wir daher die derzeitige Krise zum Anlass, um Objekte aus den Sammlungen und ihre Biografien daraufhin zu befragen, welche Aufschlüsse sie in Bezug auf die aktuelle Situation geben können: Wie gingen Menschen in unterschiedlichen Zeitaltern und Kulturen mit Krisensituationen und großen gesellschaftlichen Herausforderungen um? Welche Konsequenzen für unser Denken und Handeln können wir daraus ziehen?  

Wenn wir wieder Begegnungen im Museum gestalten können, werden diese Fragen, Themen und Objekte leitend für unsere Vermittlungsarbeit sein. Indem sich junge Menschen mit den Artefakten auseinandersetzen und Bezüge zwischen der Vergangenheit und ihrer eigenen Lebenswelt herstellen, lernen sie, sich in der Geschichte zu orientieren – und aus dem Museum heraus Inspiration zu schöpfen für ihre eigene Teilhabe an unserem gesellschaftlichen Miteinander.“ Zum Haus Bastian

 

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Projekt "Urbane Botanik"

Annika Niemann, Michaela Schlagenwerth, Katharina Stahlhoven, Kulturagentinnen für kreative Schulen Berlin:

"Das gesellschaftliche Miteinander wird aktuell neu ausgehandelt – das betrifft in besonderem Maße den Alltag von Kindern und Jugendlichen. Uns beschäftigen dabei besonders Fragen der Zugänge und der Bildungsungerechtigkeit. Um dem zu begegnen, werden zurzeit in verschiedenen schulischen Kunstprojekten neue Kanäle und Arbeitsformen gestaltet – nicht nur digital. Quer zur Diskussion um fachliche „Systemrelevanz“ stellen wir fest, dass die Akteur*innen in den Schulen die Prozessbegleitung der Kulturagent*innen aktiv suchen und nutzen.

Die strukturelle Verankerung kultureller Bildung wird auch im „digitalen Klassenzimmer“ weitergedacht. Wir betreten dabei, genau wie viele Pädagog*innen und Schüler*innen, neue Lern- und Gestaltungsräume. So werden etwa gemeinsam mit Künstler*innen Forschungsimpulse entwickelt, mit denen Schüler*innen zukünftig die demokratische Kultur in ihrer Nachbarschaft befragen – fotografisch, akustisch und performativ. In einem anderen Projekt, bei dem es um Urbane Botanik geht, ziehen Schüler*innen essbare Pflanzen zuhause vor und dokumentieren sie fotografisch, bevor sie hoffentlich im Mai in den Schulgarten umziehen. Ein Lese-Projekt wurde kurzerhand ins digitale Klassenzimmer verlegt, in dem Kinder selbst entwickeln, wie sie sich den Transfer in digitale Medien wünschen.

Was davon wird bleiben? Vielleicht wird künftig die eine oder der andere die Stummstelltaste im analogen Klassenzimmer vermissen? Trotzdem freuen wir uns darauf, wenn unsere Arbeit Kinder und Jugendliche auch wieder direkt berührt." www.kulturagenten-berlin.de

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Prof. Dr. Martin Zierold, Leiter Institut für Kultur- und Medienmanagement der Hochschule für Musik und Theater Hamburg:

"Am Institut für Kultur- und Medienmanagement sind wir in der Doppelrolle als Beobachter und Akteur. Wir haben gleich am ersten Tag der Schließung unserer Hochschule und der meisten Kultureinrichtungen einen Podcast „Wie geht’s“ gestartet, in dem wir seither bereits rund 30 Theater, Museen, Orchester, Stiftungen und mehr befragt haben, was sie aktuell beschäftigt, was ausprobiert wird, welche Chancen sich auftun und welche Gefahren drohen. Diese Möglichkeit, miteinander im Austausch zu bleiben, hat sich als wahrer Glücksfall erwiesen, jedes einzelne Gespräch ist wie ein Geschenk und gleichermaßen ein Blick hinter die geschlossenen Türen der Kulturorganisationen und eine Form des freundschaftlichen Kontakts.

Für unsere Studiengänge bereiten wir uns mit Hochdruck auf digitale Lehre vor und versuchen, das Semester als Kreativsemester zu nehmen, das alle Beteiligten zur Kunst der Improvisation und des Experimentierens einlädt – und neben allen Härten hoffentlich auch einige echte Innovationen in der Lehre hervorbringen wird."

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Henning Mohr, Foto: © Helena Grebe

Dr. Henning Mohr, Leiter des Instituts für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft e. V.:

"Wir haben uns bei der Kulturpolitischen Gesellschaft ganz bewusst dazu entschieden, die Krise auch als Chance zu begreifen. Durch die Nutzung digitaler Technologien versuchen wir unsere Verbandsarbeit und die damit verbundenen Arbeits- bzw. Kommunikationsprozesse agiler zu gestalten, um uns dadurch schneller an aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen anpassen zu können.

Daran anknüpfend beschäftigen wir uns gerade intensiv mit kulturpolitischen Zukunftsentwürfen. Innerhalb eines Open-Calls haben wir verschiedene Expert*innen eingeladen, in einem kurzen Essay eigene Visionen zur Reflexion der Krise zu formulieren. Mit den Beiträgen wollen wir einen offenen Dialog über kulturpolitische Leitbilder aus Sicht der Autor*innen beginnen. Die Essays sind auf unserer Website zu  finden und werden auf unseren Social Media-Plattformen mit dem Hashtag #coronaessays beworben."

 

Alle Folgen der "Momentaufnahmen" finden Sie im Newsroom unter Aktuelles