Rat für Kulturelle Bildung e. V. –
eine starke Allianz für Kulturelle Bildung!

Der Verein „Rat für Kulturelle Bildung e. V.“ mit Geschäftsstelle in Essen wird von einem Stiftungsverbund getragen, dem sieben Stiftungen angehören. Der Zusammenschluss ermöglicht es den Stiftungen, gemeinsam starke Impulse für die Weiterentwicklung und Verankerung Kultureller Bildung auf zwei Ebenen zu geben:

Diskurspolitik - durch den unabhängiger Expertenrat „Rat für Kulturelle Bildung“
Forschung - durch den „Forschungsfonds Kulturelle Bildung“

13.02.2019

Interview mit Ratsmitglied Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss

Aktuelles

Schulen brauchen mehr als den Digitalpakt – Politik sollte Gesamtstrategien unterstützten

Drei Fragen an Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss, Ratsmitglied und Leiterin der Bundesakademie für Kulturelle Bildung, anlässlich der aktuellen Entwicklung zum Digitalpakt Schule und der Denkschrift des Expertenrates „ALLES IMMER SMART. Kulturelle Bildung, Digitalisierung, Schule“

Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss

Mit der Bundesakademie für Kulturelle Bildung fördern Sie kulturelle Schulentwicklung – gibt es da Parallelen zur Digitalisierung in Schule?

Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss: Ja, aus meiner Sicht ist eine kulturelle Schulentwicklung oder ein Digitalisierungsprozess dann gelungen, wenn alle Lehrkräfte dieses Modell verinnerlicht haben und die gesamte Schule danach funktioniert. Kulturelle Schulentwicklung ist nach meinem Verständnis, dass eine Schule nicht nur kulturelle Fächer und Projekte anbietet, sondern ästhetische Methoden im Unterricht fächerübergreifend als Lernprinzip etabliert. Dabei werden starre Fächergrenzen, und der klassische Stundenrhythmus von 45 Minuten aufgelöst. Wir brauchen ein Verständnis dafür, dass wir Bildung nicht mehr so denken dürfen wie im 19. Jahrhundert.

Beim Digitalpakt Schule scheint im Vermittlungsausschuss ein Kompromiss in Sicht – könnte der Digitalpakt einen Schub in so eine Schulentwicklung bringen, auch wenn er eher an der technischen Seite ansetzt?
Natürlich: Wenn erst mal Gelder da sind und die Hardware angeschafft wurde, kann das ein Anstoß sein. Aber der Digitalpakt muss sehr gut begleitet sein. Es muss viel in Fortbildung investiert werden, die nicht nur auf die Bedienung der Hardware zielen darf, sondern die von den Fragen der jeweiligen Schule ausgeht. Also nicht unbedingt, viele Tablets oder VR-Brillen anzuschaffen, sondern zu überlegen: Wo ist die Technik für unsere Lernkultur sinnvoll und in welcher Form. Die Frage im Lehrerkollegium muss sein: Welche Schule wollen wir, in die wir täglich gerne gehen und die uns motiviert? Wenn diese Frage beantwortet ist, sollten alle versuchen, daran zu arbeiten. Und da können Digitalisierung und Kulturelle Bildung Antworten haben. So ein Prozess ist nicht einfach umzusetzen, aber es gibt bereits solche Modelle.

Was fordern Sie als Fortbildungsinstitution von der Politik für den digitalen Wandel an Schule?
Ich glaube, mit dem Digitalpakt nur Mittel für Hardware zu beschließen, greift zu kurz. Mein Wunsch wäre, dass von politischer Seite auch finanziell Gesamtstrategien unterstützt werden und zusätzliche Angebote der Begleitung, der Entlastung der Lehrer und Lehrerinnen und der Fort- und Weiterbildung gemacht werden. Es braucht zudem das Verständnis, dass Prozesse wie der digitale Wandel an Schulen Zeit brauchen – man muss hier in 10-Jahres-Schritten denken. Es sollte nicht in drei Jahren das nächste Thema kommen, das überfordert die Akteure.
Nicht zuletzt ist es mir wichtig zu betonen: Medien können – überlegt eingesetzt – bedeutsame Hilfsmittel darstellen; entscheidend für eine zeitgemäße und förderliche Lernkultur sind meines Erachtens aber vor allem Prinzipien ästhetischer Bildung wie die Stärkung von sinnlichen Wahrnehmungs- und Ausdrucksfähigkeiten, die Konzentration auf Gestaltungs- und Selbstbildungsprozesse sowie die Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Es wäre schön, wenn diese vielfach wissenschaftlich bestätigte Erkenntnis auch in der Politik wahrgenommen werde würde.

Kreatives Programmieren
©Forum Bildung Digitalisierung