Rat für Kulturelle Bildung e. V. –
eine starke Allianz für Kulturelle Bildung!

Der Verein „Rat für Kulturelle Bildung e. V.“ mit Geschäftsstelle in Essen wird von einem Stiftungsverbund getragen, dem sieben Stiftungen angehören. Der Zusammenschluss ermöglicht es den Stiftungen, gemeinsam starke Impulse für die Weiterentwicklung und Verankerung Kultureller Bildung auf zwei Ebenen zu geben:

Diskurspolitik - durch den unabhängiger Expertenrat „Rat für Kulturelle Bildung“
Forschung - durch den „Forschungsfonds Kulturelle Bildung“

31.10.2018

Aktuelle Beiträge

Aktuelles

Zur Studie „Bibliotheken/Digitalisierung/Kulturelle Bildung. Horizont 2018“

In einer Serie von Interviews vertiefen wir hier die Ergebnisse der Studie sowie die daraus folgenden Forderungen, und wollen zum Diskurs beitragen.

 

Drei Fragen an Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Bündnis 90/Die Grünen, Mitglied des Bundestages

 

Um an Kultur teilzuhaben, muss ein Angebot erst einmal vorhanden oder erreichbar sein. Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht die Bibliotheken beim Thema kulturelle Teilhabe?

Öffentliche Bibliotheken sind einfach toll, sie gehören zu den am stärksten genutzten Kultur- und Bildungseinrichtungen in Deutschland. Sie sind Orte der Begegnung, sie sind ein wichtiger sozialer Raum und sie vermitteln Schlüsselkompetenzen des 21. Jahrhunderts, besonders Lese-, Medien-, und Digitalkompetenzen, die für demokratische und kulturelle Teilhabe unverzichtbar sind.

Sie kooperieren mit Kitas und Schulen. Sie leisten mit ihren Angeboten und Dienstleistungen einen wichtigen Beitrag zur Integration und Inklusion. Sie werden als interkulturelle und soziale Treffpunkte genutzt und zunehmend auch als Orte für digitale Sprechstunden wie z.B. in der Stadtbibliothek Bremen, wo sich Nutzer*innen vor Ort mit allen Fragen rund um eBooks, Datenbanken oder andere digitalen Angeboten beraten lassen können.
Kurz: Öffentliche Bibliotheken sind vernetzte Kultur- und Lernorte für unterschiedliche Generationen und Nutzergruppen und ihr Beitrag zu kultureller Teilhabe kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie merken: ich bin ein Fan von Bibliotheken.

Welche Chancen eröffnen sich mit Blick auf kulturelle Teilhabe durch die Digitalisierung der Bibliotheken?

Was wirklich konstant ist in der digitalen Welt, das ist es ihr stetiger Wandel. Mein Eindruck ist, dass die öffentlichen Bibliotheken diesen Wandel sehr engagiert gestalten und voran gehen. Sie stellen den Nutzer*innen Angebote und Bedingungen bereit, die eine kompetente und selbstbewusste Teilhabe an der digitalen Welt ermöglichen. Das stärkt übrigens auch unsere Demokratie.

Das klassische Buch und die digitalen Angebote im E-Medienbereich ergänzen sich. Die virtuellen Entleihungen schnellen in die Höhe. Digitale Räume und die Präsenz von Bibliotheken in Sozialen Netzwerken schaffen neue und niederschwellige Möglichkeiten der Kommunikation und Teilhabe der Nutzer*innen. Durch ihre Angebote und Dienstleistungen gestalten die Öffentlichen Bibliotheken den digitalen Wandel. Sie sorgen dafür, dass die Menschen generationsübergreifend mitgenommen werden.

Wo kann aus Ihrer Sicht die Politik unterstützen, damit Kinder und Jugendliche den Weg in die Bibliothek finden – sollte man da die Schulen stärker einbinden?

Ich finde es prima, wie die Bremer Stadtbibliothek das macht. Jedes Schulkind bekommt in der 1. Klasse einen Bibliotheksausweis. Zum Freischalten muss das Kind in eine der Stadtteilbibliotheken oder die zentrale Bibliothek kommen. Dort wird den Kindern alles genau erklärt. Ich wünsche mir, dass wir eine solche Einführung fest in die Curricula der Grundschulen aufnehmen.

Auch die Digital Natives sitzen ja nicht ständig zu Hause, sondern suchen analoge Orte, wo sie sich wohlfühlen und sich mit Anderen treffen können. Hier kommen die öffentlichen Bibliotheken und ihre Angebote wie kostenfreies WLAN, aber auch einfach Platz, ins Spiel, zum Beispiel beim gemeinsamen Lernen oder Hausaufgaben machen. Um das Angebot zu nutzen, müssen junge Menschen es erst mal kennen gelernt haben.

Um ständig ein gutes Angebot machen zu können, brauchen Stadtbibliotheken Geld und eine nachhaltige Absicherung ihrer Etats. Die Politik kann das unterstützen etwa in Form von Bibliotheksgesetzen in den Ländern, die die Aufgaben der Bibliotheken als verbindliche Aufgaben für das Gemeinwohl festschreiben. Ich bin sicher, dass eine gute Ausstattung von Bibliotheken eine wunderbare Investition in die Zukunft ist. Ich wünsche mir, dass wir zukünftig öffentlichen Bibliotheken ermöglichen, auch sonntags  zu öffnen. Das würde Eltern und Kindern die Chance geben, gemeinsam das Angebot von Bibliotheken zu entdecken.

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Drei Fragen an Dr. Sabine Homilius, Leiterin Stadtbücherei Frankfurt
24. Oktober 2018

Die Stadtbücherei Frankfurt wurde gerade als "Bibliothek des Jahres" für die Arbeit ihrer Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle ausgezeichnet was ist das Besondere an Ihrer Zusammenarbeit mit Schulen?
Dass Schulbibliotheken einen großen Beitrag zur Medienbildung leisten und damit Chancengleichheit sichern und Bildungsperspektiven verbessern können, wurde in Frankfurt früh erkannt. Die Schulbibliothekarische Arbeitsstelle der Stadtbücherei wurde bereits 1974 gegründet und die Stadt Frankfurt unterstützt auch aktuell den Ausbau und Betrieb von Schulbibliotheken ausdrücklich.

Das Besondere am Frankfurter Modell ist die Verbindung von Effizienz und Kreativität, von Struktur und Innovation. Die Schulbibliotheken im Verbund (aktuell 111) profitieren dabei von vielen Leistungen wie z. B. einem Medienetat. Alle fachbibliothekarischen Aufgaben werden zentral gesteuert und erledigt. So werden Qualitätsstandards gesichert und die Teams in den Schulbibliotheken haben mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe: die Medienvermittlung vor Ort.

Zwölf Schulbibliotheken sind fachlich durch die Stadtbücherei geleitet, alle anderen werden von Ehrenamtlichen geführt. Diese Ehrenamtlichen werden von uns intensiv geschult und betreut. Ein mobiles Team, der Vor-Ort-Service, tourt außerdem durch die Bibliotheken und hilft bei individuellen Fragestellungen. Darüber hinaus bietet die sba allen Frankfurter Schulen attraktive Medienpakete zu gefragten Themen, Leseförderaktionen und Handreichungen an. In dieser Konsequenz und Breite ist unsere Schulbibliothekarische Arbeitsstelle ziemlich einmalig. Wir geben unser Fachwissen deshalb auch überregional und international bis nach China oder Indien weiter.

Unsere Studie hat ergeben, dass viele Bibliotheksleitungen die Digitalisierung als Chance besonders für Kooperationen mit Schulen und Kitas sehen. Welchen Stellenwert nimmt die Digitalisierung bisher bei Ihren Schulkooperationen ein und welchen Gewinn sehen Sie darin?
Um den Schulbibliotheken einen optimalen Service zu bieten, haben wir eigene digitale Tools und Anwendungen entwickelt, wie beispielsweise ein elektronisches Bestellportal.

Neben der Entwicklung dieser digitalen organisatorischen Tools gilt es, bei Kindern und Jugendlichen Medienbildung und Lesekompetenz gleichberechtigt zu fördern. Und da sind Schulbibliotheken eine wichtige Ergänzung zum Unterricht. Die klassische Leseförderung muss heute crossmedial ergänzt werden. Wir integrieren die Förderung der Recherchekompetenz und üben mit Schulklassen den kritischen Umgang mit Quellen.

Besonders nachgefragt sind unsere #iPÄD-Aktionen. Hier lernen schon Grundschülerinnen und Grundschüler den spielerischen und kreativen Umgang mit neuen digitalen Möglichkeiten. All das erweitert die Perspektiven des "normalen" Unterrichts im Klassenraum. Die Frankfurter Lehrerinnen und Lehrer nehmen unsere Angebote deshalb begeistert an. Hier können wir uns als Stadtbücherei und als professioneller Partner der Schulen profilieren und positionieren.

Die Digitalisierung erfordert eine Weiterbildung und Durchmischung des Personals, so die Bibliotheksleitungen in unserer Studie. Welche Chancen sehen Sie in Kooperationen mit Experten aus der Kulturellen Bildung, der Medienbildung, der Informationstechnologie oder auch Künstlern?
Die Integration von Expertinnen und Experten aus anderen Disziplinen ist unabdingbar, um die Zukunft von Bibliotheken zu sichern. Denn einerseits fordert uns der rasante digitale Fortschritt, andererseits positionieren wir uns als "Dritter Ort". Für beide Entwicklungen ist das Fachwissen von Expertinnen und Experten, die aus anderen Disziplinen kommen, eine große Bereicherung.

Wir haben beispielsweise die Stelle unserer Bibliothekspädagogin mit einer studierten Kunstpädagogin besetzt, die auch lange Jahre in der Kulturellen Bildung tätig war. In unserer Veranstaltungsarbeit planen wir gerade Angebote mit Coding und Robotik. Um diese Themen Kindern und Jugendlichen aber auch Erwachsenen zu vermitteln, brauchen wir Kompetenzen von außen.

Wir setzen auch auf die Vermittlung aus erster Hand durch junge Leute aus den entsprechenden Bereichen – immer kombiniert mit unseren pädagogischen Ansätzen. Die "Bibliothek als Dritter Ort" fordert kreative Veranstaltungsformate. Auch hier kann das Bibliotheksprofil in der Zusammenarbeit mit Menschen aus der Kulturellen Bildung, Kunst und Wissenschaft gewinnen. Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist hier ein Gebot der Stunde.

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22. Oktober 2018
Drei Fragen an Matthias Holtmann, Schulleiter der Max-Beckmann-Oberschule in Berlin

Ihre Schule arbeitet bereits eng mit der Stadtteilbibliothek Reinickendorf West zusammen – wie profitieren die Schüler von dieser Zusammenarbeit?
Unsere Schülerinnen und Schüler haben das große Glück, dass diese Bibliothek in unserer unmittelbaren Nachbarschaft liegt. So können sie diese nach dem Unterricht oder auch – bei Oberstufenschülern – in Freistunden nutzen.
Unsere Lehrerinnen und Lehrer nutzen die Bibliothek zudem gerne zur Leseförderung und besuchen z.B. den Lesegarten mit ihren Klassen auch während der Unterrichtszeiten. Zudem gibt es Veranstaltungen, wie Lesungen, die auch von unseren Schülerinnen und Schülern wie auch Eltern besucht werden und die wir im Vorfeld bewerben.

Zur Vorbereitung der großen Abschlussprüfungen finden unsere Schülerinnen und Schüler die nötige Literatur in einem Handapparat. Und: Wir haben einen gemeinsamen Traum, nämlich den Neubau der Bibliothek, in dem dann auch Räume für unsere Schule vorgesehen sind. Wir wollen so unsere Ressourcen gemeinsam nutzen, z.B. beim nachhaltigen Cafeteria-Betrieb, bei der Betreuung eines Makerspaces, des Lesegartens etc. Gemeinsam mit der Architektenkammer haben unsere Schülerinnen und Schüler dazu schon zahlreiche Entwürfe gestaltet und sie durften diese in der Bibliothek ausstellen.

Welche drei Tipps würden Sie anderen Schulen (und Bibliotheken) für eine Kooperation geben?
Es gibt sicherlich nur diese drei Tipps: Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation. Wenn man sich kennt und regelmäßig miteinander spricht, fallen jedem Partner immer wieder Möglichkeiten der Zusammenarbeit ein. So lebt die Kooperation auch ganz ohne Absichtserklärungen und schriftliche Vereinbarungen.
Um zu beginnen, ist es vielleicht nicht schlecht, einmal eine Fachkonferenz in der Bibliothek stattfinden zu lassen. So finden sich meist ganz leicht Berührungspunkte oder Schnittmengen und Gelegenheiten für eine einfache erste Zusammenarbeit.

Sehen Sie digitale Angebote in der Leseförderung (in Ergänzung zu analogen) als Bildungsauftrag und warum?
Unbedingt. Die Digitalisierung ist unumkehrbar und nur ein produktiver Umgang mit ihren Produkten wird wohl dazu beitragen können, dass sich die Angebote in bildungsrelevanten Bereichen gut weiterentwickeln. Das Risiko, mit rein konsumorientierten Angeboten (Spielen, YouTube, etc.) in Kontakt zu kommen, ist für die Schülerinnen und Schüler bestimmter Familien sehr hoch, so dass alternative digitale Angebote, die möglicherweise sogar nachher dazu führen, dass ein Film, ein Blogbeitrag oder ein Druckprodukt entsteht, Kindern und Jugendlichen ganz andere Kompetenzerfahrungen ermöglichen.

Wir befragen zudem in unseren Aufnahmegesprächen unsere Familien nach ihrer digitalen Ausstattung: In vielen gibt es keine Computer mehr, sondern allerhöchstens neben den Handys noch ein Tablet. Ohne Bibliotheken bliebe vielen Menschen aus förderbedürftigen Verhältnissen der Zugang zu bestimmten Angeboten der digitalen Welt verschlossen.
Daneben darf nicht vergessen werden, dass auch der Umgang mit analogen Medien weiterhin wichtig bleibt, sei es, weil es einen Lesegenuss vermittelt, sei es, weil es bestimmten Lerntypen das Leben erleichtert.

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18. Oktober 2018
Drei Fragen an Ottilie Bälz, Bereichsleiterin Gesellschaft in der Robert Bosch Stiftung und Mitglied des Vorstand im Rat für Kulturelle Bildung e.V."

Die Robert Bosch Stiftung hat die Studie unterstützt warum hat sich Ihre Stiftung hier engagiert?
In unserem Förderthema Kulturelle Teilhabe unterstützen wir Kultureinrichtungen darin, sich stärker für neue Zielgruppen zu öffnen. Bibliotheken haben diesbezüglich eine Vorreiterrolle eingenommen, weil sie mit ihren Angeboten bereits seit Jahren die gesamte Stadtgesellschaft ansprechen.

Was sind für Sie die wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie?
Die Studie formuliert klare Forderungen an die Politik: Diese betreffen Ausstattungsdefizite insbesondere in ländlichen Bibliotheken. Außerdem sollten öffentliche Entscheidungsträger die Potentiale der Bibliotheken noch stärker anerkennen. Sinnvoll wäre es beispielsweise, sie noch viel stärker in digitale Strategien der Kommunen miteinzubinden, um Bürgern eine mühelose Teilhabe an innovativer Kultureller Bildung zu ermöglichen.

Wo sehen Sie Übertragungseffekte auf andere Kulturinstitutionen?
Die Studie zeigt, dass Bibliotheken über attraktive sowohl digitale als auch analoge Angebote Kultureller Bildung verfügen, die ein Vorbild für einen sinnvollen Umgang mit der Digitalisierung sein können. Bibliotheken haben erkannt, dass digitale und analoge Angebote nicht in Konkurrenz zueinander stehen, sondern sich ergänzen. Aus dieser Erfahrung können auch andere Kultureinrichtungen lernen.

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16. Oktober 2018
Drei Fragen an Barbara Lison, Bundesvorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbandes e. V. (dbv) zur Studie „Bibliotheken/Digitalisierung/Kulturelle Bildung. Horizont 2018“

Welche Folgerungen ziehen Sie aus den Ergebnissen der gemeinsamen Studie des Rates für Kulturelle Bildung und des dbv?
Die Studie zeigt unter anderem sehr deutlich das Gefälle zwischen den größeren und den kleineren Städten bzw. Gemeinden bei den digitalen Dienstleistungen. Hier muss zumindest eine flächendeckende digitale Grundausstattung, zu der natürlich auch öffentliches WLAN gehört, sichergestellt werden, um gleiche Lebensverhältnisse in allen Gegenden Deutschlands zu ermöglichen. Der dbv ruft die Verantwortlichen vor allem in den kleineren und mittleren Kommunen auf, in den Bibliotheken als erste schnell durchzuführende Maßnahme eine lückenlose Versorgung mit WLAN zu sichern.

Wie wollen Sie die Aufmerksamkeit der Politik auf die Zukunftsaufgaben von Bibliotheken nun weiter erhöhen?
Die Ergebnisse der Studie hat der dbv sowohl den Kommunalen Spitzenverbänden als auch den einschlägigen Bundesministerien zugeleitet mit der Aufforderung, den Empfehlungen der Studie Folge zu leisten. Der Deutsche Städtetag hat die Studie bereits an alle Mitglieder versandt und wird einen Artikel darüber in seiner Verbandszeitschrift veröffentlichen; der Städte- und Gemeindebund will dies ebenfalls tun. Termine mit Bundesministerien und Bundestagsabgeordneten in Sachen Nationale Bibliotheksentwicklung - des vom Rat geforderten Bibliotheksentwicklungsplans - sind verabredet. Die Studie ist sehr hilfreich für dieses Vorhaben.

Welche politischen Initiativen sind Ihrer Meinung nach schon auf einem guten Weg?
Die Landesebene ist aufgerufen, vor allem für die technische Ausstattung und Infrastruktur verantwortlich zu zeichnen. Hier ist Nordrhein-Westfalen schon relativ weit. Landesweite Bibliotheksentwicklungspläne, wie in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg und Schleswig-Holstein, sind gute Grundlagen für die Verbesserung der Situation insbesondere in den ländlichen Gebieten.

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15. Oktober 2018
Drei Fragen an Prof. Dr. Eckart Liebau, Vorsitzender des Rates für Kulturelle Bildung und UNESCO-Chair in Arts and Culture in Education, Universität Erlangen-Nürnberg

Die am 6.9.2018 erschienene Studie "Bibliotheken/Digitalisierung/Kulturelle Bildung. Horizont 2018" ist inzwischen im Fachdiskurs angekommen und wird diskutiert welche Meinungen gibt es zu der Forderung des Rates nach mehr Bibliotheksgesetzen in den Ländern?
Die Forderung ist nicht neu. Schon 2007 hat der Enquete-Bericht "Kultur in Deutschland" die Einführung von Bibliotheksgesetzen empfohlen. Passiert ist derweil aus unserer Sicht zu wenig. Nur fünf Bundesländer haben solche auf den Weg gebracht. Allerdings muss man auch sehen, dass manche Bundesländer unter anderem angesichts der angespannten finanziellen Situation einiger ihrer Kommunen diesen Schritt wohl bisher gescheut haben. Angesichts der gerade unter Bedingungen der Digitalisierung wachsenden Bedeutung der öffentlichen Bibliotheken für Bildung und Kultur in den lokalen Bildungslandschaften ist es nun aber an der Zeit, überall zu gesetzlichen Regelungen zu kommen.

Wie können Bibliotheksgesetze auf Länderebene konkret helfen?
Bibliotheken sind besondere Orte Kultureller Bildung. Sie bieten nicht nur Zugänge und Teilhabe an Kultur, sondern sind zudem auch schützenswerte Orte autodidaktischer kultureller Selbstbildung. Daher empfiehlt der Rat den Ländern, Aufgaben und Finanzierung der öffentlichen Bibliotheken in Bibliotheksgesetzen zu regeln. Bibliotheksgesetze sind gerade unter den neuen Bedingungen der Digitalisierung sehr hilfreich und wünschenswert, weil sie einen sichereren Rahmen für die Entwicklung schaffen können.

Neben Bibliotheksgesetzen fordert der Rat einen länderübergreifenden Bibliotheksentwicklungsplan auf Bundesebene was genau ist gemeint?
Die Erstellung eines länderübergreifenden Bibliotheksentwicklungsplans ist sinnvoll, weil ein solcher Plan bundesweite Entwicklungsperspektiven und Qualitätsstandards definieren und politische bzw. finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten durch den Bund festlegen kann. Damit kann auch ein Rahmen für die länderspezifischen Bibliotheksgesetze geschaffen werden. Der Plan sollte daher gemeinsam von Bund, Ländern, kommunalen Spitzenverbänden und den entsprechenden Fachverbänden entwickelt werden – der Deutsche Bibliotheksverband hat dazu schon einige Schritte in die Wege geleitet. Der Rat ist überzeugt, dass in den Bibliotheken neben den Serviceangeboten immer auch die Qualität der Kulturellen Bildungsangebote gestärkt werden muss.

 

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