Rat für Kulturelle Bildung e. V. –
eine starke Allianz für Kulturelle Bildung!

Der Verein „Rat für Kulturelle Bildung e. V.“ mit Geschäftsstelle in Essen wird von einem Stiftungsverbund getragen, dem sieben Stiftungen angehören. Der Zusammenschluss ermöglicht es den Stiftungen, gemeinsam starke Impulse für die Weiterentwicklung und Verankerung Kultureller Bildung auf zwei Ebenen zu geben:

Diskurspolitik - durch den unabhängiger Expertenrat „Rat für Kulturelle Bildung“
Forschung - durch den „Forschungsfonds Kulturelle Bildung“

28.01.2021

Im Programm 2021 bringt der Expertenrat seine Erkenntnisse auf den Punkt

Aktuelles

Umsetzungsprobleme bei Kultureller Bildung liegen in Zersplitterung der politischen Zuständigkeiten

Interview mit Prof. Dr. Eckart Liebau, Vorsitzender des Rates für Kulturelle Bildung

Kulturelle Bildung und der Kulturbereich sind vom aktuellen Lockdown stark betroffen – was sehen Sie gerade als das größte Problem?
Eckart Liebau: Ich habe Sorge, dass die Aufmerksamkeit für die Kulturelle Bildung unter die Räder kommt – es gibt zwar hoffnungsvolle Zeichen hier und da, wie aus den zuständigen Ressorts der Bundesregierung. Auch auf der Ebene der Länder und der Kommunen wird der Wert der Kulturellen Bildung beteuert.
Trotzdem kann noch vieles, was der zivilgesellschaftliche Bereich leistet und was auf der Arbeit der Solo-Selbständigen beruht ins Rutschen geraten. Gerade die Kulturvermittelnden und der außerschulische Bereich der Kulturellen Bildung leiden stark unter den Einschränkungen durch die Pandemie. Für Kinder und Jugendliche fallen derzeit bedeutsame kulturelle Erfahrungsräume weg, auch im Ganztagsbereich der Schulen, und es ist unklar, ob diese nach der Pandemie wieder in gleichem Maße verfügbar sein werden. Dabei wird die Notwendigkeit kultureller Bildungsangebote und non-formaler Räume unter dem Brennglas der Pandemie derzeit umso deutlicher sichtbar.

Sind die aktuellen Entwicklungen für Sie überraschend?
Nein, das überrascht mich nicht. Der zehnjährige Diskurs zur Kulturellen Bildung, an dem der Rat für Kulturelle Bildung mitgewirkt hat, hat zwar einiges verbessert – aber er hat leider noch nicht dazu geführt, dass seine wissenschaftlich und künstlerisch basierten Erkenntnisse schon fest in der Praxis verankert wären. Die Bildungs- und Kulturlandschaft ist immer noch sehr fragil und gefährdet, selbst im schulischen Bereich.
Immerhin ist in der breiten Öffentlichkeit jedoch angekommen, dass Schulen auch wichtige soziale und kulturelle Orte sind. Bildungs- und Kultureinrichtungen sitzen hier in einem Boot und könnten dies als Chance für dauerhafte Kooperationen nutzen.

Was fordern Sie gerade jetzt von der Politik?
Nach der Pandemie muss es extra entwickelte Aufbauprogramme geben und Kultur und Kulturelle Bildung müssen in den Kommunen endlich eine Pflichtaufgabe werden. Kulturelle Bildung braucht Förderung mehr denn je, von Bund, Ländern und Kommunen, aus der Zivilgesellschaft, aus der Privatwirtschaft. Denn sie ist wichtiger denn je: für den Umgang mit sich gerade stärker stellenden Sinnfragen, sowie im Bereich der Entwicklung von Kompetenzen der Sinne, der Leiblichkeit, der Wahrnehmung und Gestaltung.

Es gibt zwar schon ein Umdenken: Kulturinstitutionen gehen jenseits der „Komm-Strukturen“ mehr zu den Kindern und Jugendlichen hin, wie z.B. mit Theaterangeboten in die Schulen. Vor allem findet auch schon viel digital statt – das reicht aber nicht. Es braucht eine stärkere strukturelle Vernetzung von formalem und non-formalem Bereich, also von Schulen mit gemeinnützigen und auch kommerziellen Angeboten der non-formalen kulturellen Jugendbildung. Und es braucht noch mehr Räume und Gelegenheiten für informelle Kulturelle Bildung, die „nebenbei“ geschieht oder spielerisch vermittelt verläuft. Um Kulturelle Bildung für alle Kinder und Jugendlichen zu ermöglichen, müssen Erfahrungsräume bzw. -optionen zur Verfügung stehen, hergestellt oder gestaltet werden, die der Vielfalt der Kinder und Jugendlichen, also auch der Vielfalt ihrer Interessen, Motive, Wünsche, Voraussetzungen und Fähigkeiten, entgegenkommen.

Außerdem gäbe es beim Personalmangel in Schulen gerade jetzt die Chance, kreative Lösungen anzupacken: So könnte man den jahrelangen, strukturellen Lehrermangel und Unterrichtsausfall in den Fächern Musik und Kunst ausgleichen, indem man unter der Voraussetzung eines entsprechenden pädagogischen und künstlerischen Qualifikationsnachweises interessierte und talentierte Künstlerinnen und Künstler einsetzt. Das würde sowohl den Schulen als auch den Kunstschaffenden helfen, die unter enormen Verdienstausfällen durch Corona leiden. Dazu braucht es sicher auch Fortbildungen – ein Programm zur Qualifizierung und ein Zertifikatskurs für Kunstschaffende verschiedener Disziplinen wurde zum Beispiel gerade am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim entwickelt.

Was steht 2021 auf dem Programm des Expertenrates?
Der Expertenrat und der Forschungsfonds des Vereins haben in den vergangenen Jahren wesentliche wissenschaftlich und künstlerisch basierte Beiträge zur Begründung und zur weiteren Entwicklung der Kulturellen Bildung geleistet. Dabei ging es um die Themen Qualität, Teilhabe und Transformationsprozesse sowie immer wieder um die Wirkungen Kultureller Bildung für Individuum und Gesellschaft.

2020/2021 bündelt der Rat in der Reihe „Auf den Punkt“ in drei Handreichungen die wichtigsten Ergebnisse und Erkenntnisse seiner zehnjährigen Arbeit zur Bildungs-, Jugend- und Kulturpolitik. Damit wollen wir unseren Appell an die Politik untermauern, stärker ressortübergreifend zu denken und zu agieren, denn eines der Umsetzungsprobleme Kultureller Bildung liegt in der Zersplitterung der Zuständigkeiten. Die von uns erarbeiteten Grundlagen sehen wir sowohl als Zusammenfassung wie auch als Aufschlag. Es bedarf jetzt einer gemeinsamen Anstrengung der Ressorts in Bildungs-, Jugend- und Kulturpolitik, aber auch der engeren Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Gemeinden, um die Erkenntnisse des letzten Jahrzehnts in die Praxis umzusetzen!

Dem Expertenrat ist es zudem angesichts der großen gesellschaftlichen Umbrüche, Herausforderungen und Transformationen ein Anliegen, sich noch einmal grundsätzlich zu den Begründungen und Perspektiven der Kulturellen Bildung zu äußern. 2021 sind daher weitere Veröffentlichungen, Veranstaltungen und Vernetzungsaktivitäten geplant.

Die Handreichung zur Bildungspolitik ("Kulturort Schule") liegt bereits vor – worum wird es in den beiden jetzt kommenden Handreichungen zur Jugend- bzw. zur Kulturpolitik gehen?
In unserer Ende März/Anfang April erscheinenden jugendpolitischen Handreichung geht es um die jugendpolitische Aufgabe zur Gestaltung kultureller Bildungsbiografien, um non-formale Angebote der Kulturellen Bildung als wichtige Säulen der kommunalen Bildungslandschaften und um die Umsetzung des kulturellen Teilhaberechts von Kindern und Jugendlichen.

In der kulturpolitischen Handreichung wird es um Kulturinstitutionen als Teil der Bildungslandschaft gehen sowie um aktuelle Themen, die die Institutionen angesichts der Coronapandemie umtreiben. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf das Thema Vermittlung gelegt werden, auch als wichtiger Impuls für Transformationsprozesse. Diese sind in den Institutionen dringend nötig, um im staatlichen Fördersystem nach Corona zu überleben. Wir freuen uns schon auf Austausch und Diskussion dazu!

 

Vorschau Programm Expertenrat und Forschungsfonds 2021:

 

  • Jugendpolitische Handreichung (März/April 2021)
  • Kulturpolitische Handreichung (September/Oktober 2021)
  • Veröffentlichungen zu Forschungsprojekten im Forschungsfonds (ab Mai 2021)
  • Grundsatzpapier Expertenrat (Oktober/November 2021)
  • Begleitende digitale und analoge Veranstaltungen von Rat und Forschungsfonds für Politik, Wissenschaft und Praxis