Rat für Kulturelle Bildung e. V. –
eine starke Allianz für Kulturelle Bildung!

Der Verein „Rat für Kulturelle Bildung e. V.“ mit Geschäftsstelle in Essen wird von einem Stiftungsverbund getragen, dem sieben Stiftungen angehören. Der Zusammenschluss ermöglicht es den Stiftungen, gemeinsam starke Impulse für die Weiterentwicklung und Verankerung Kultureller Bildung auf zwei Ebenen zu geben:

Diskurspolitik - durch den unabhängiger Expertenrat „Rat für Kulturelle Bildung“
Forschung - durch den „Forschungsfonds Kulturelle Bildung“

11.11.2020

Forschungsergebnis: Führungskräfteprogramme mit Kultureller Bildung fördern persönliche und soziale Kompetenzen bei angehenden Führungskräften

Pressemitteilungen Aktuelles

Good Leadership erfordert künstlerisches Tun, persönliche Reflexion und Transfer auf Führungshandeln

Musik-Workshop "Bronnbacher Stipendium", Foto: Benedikt Liebig

Fortbildungsprogramme, die auf Kulturelle Bildung setzen, steigern die Selbstreflexion bei angehenden Führungskräften enorm und fördern ihre Persönlichkeitsentwicklung und Wertehaltung. Zu diesem Ergebnis kommen Prof. Dr. Barbara Lämmlein und Prof. Dr. Ulrike Gerdiken von der Frankfurt University of Applied Sciences in dem durch die Karl Schlecht Stiftung geförderten Forschungsprojekt „Durch Kulturelle Bildung zu Good Leadership?“. Für dieses führten sie Interviews mit zwei voneinander unabhängigen Gruppen von angehenden Führungskräften.

Die Ergebnisse zeigen, dass die intensive Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur vor allem die Selbstreflexion und den Erwerb sozialer Kompetenzen fördert. Dies sehen die Wissenschaftlerinnen als Grundlage für ein späteres Leitungshandeln im Sinne eines „Good Leadership“ – einem wertschätzenden, dialogischen, humanistischen Führungskonzept.
 

Persönlichkeitsentwicklung als Voraussetzung für gute Führung fördern
Damit die Erkenntnisse aus der praktischen Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur auf ein späteres Führungshandeln übertragen werden können, brauchen Führungskräfte jedoch auch die Fähigkeit, das ästhetisch Erlebte zu reflektieren und auf das persönliche, gesellschaftliche und berufliche Handeln zu übertragen. Dies kann durch die theoretische Auseinandersetzung mit den Themen Ethik und Leadership gefördert werden, wie die Befragung der Gruppen bestätigte.

„Optimal für Führungskräfteprogramme mit Kultureller Bildung wäre eine Kombination aus ästhetischem Erleben und theoretischer Reflexion. Zunächst ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Person für gutes Führungshandeln unerlässlich. Sie ist besonders intensiv, wenn sie im aktiven Tun erlebt wird, anschließend reflektiert wird und daraus Konsequenzen für das eigene Handeln abgeleitet werden. Eine Metareflexion ist zusätzlich wichtig, um die persönliche Erfahrung mit dem Führungshandeln in Verbindung zu bringen“, resümiert Gerdiken.
 

Kunst und Kultur im gruppendynamischen Prozess erleben
Studierende, die sich über neun Wochenenden intensiv mit Kunst und Kultur beschäftigten, berichteten in den Interviews besonders von der Auseinandersetzung mit der eigenen Person, der Frage nach Sinnerfüllung sowie dem Umgang mit und der Wertschätzung von Vielfalt und Verschiedenheit. Implizit zeigen ihre Aussagen, dass die Haltungen und Kompetenzen, die sie benennen, sich mit denen decken, die die Wissenschaftlerinnen für das Führungskonzept eines Good Leadership identifiziert haben. Dazu zählen Selbst-, Sozial- und Methodenkompetenzen wie Entscheidungsfähigkeit, Kreativität, Fehlerfreundlichkeit, Experimentierfreude, Problemlösefähigkeit oder Offenheit für Andersdenkende.

Ein weiteres Forschungsergebnis ist, dass das Gemeinschaftserleben und die Auseinandersetzung mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen wesentlichen Beitrag zur persönlichen Reflexionsfähigkeit leisten. Damit werden Erkenntnisse aus der ästhetischen und Kulturellen Bildung bestätigt, die auf die Bedeutung des Sozialen in der Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur hinweisen.
 

Die Werte des Führungskonzeptes Good Leadership beachten
Als Good Leadership bezeichnen Lämmlein/Gerdiken einen Führungsansatz, der durch Subjektorientierung, eine wertschätzende Haltung und einen auf Dialog basierenden gleichberechtigten Umgang miteinander geprägt ist. Mitarbeitenden wird partnerschaftlich und auf Augenhöhe begegnet, ihnen wird größtmögliche Handlungsfreiheit gegeben. Fehler werden als Entwicklungschancen verstanden und der gesellschaftlichen Verantwortung eines Unternehmens wird eine ebenso hohe Bedeutung zugemessen wie dem Streben nach wirtschaftlichem Erfolg. Für das Konzept von Good Leadership haben die Forscherinnen Grundaussagen verschiedener erziehungs- und wirtschaftswissenschaftlicher Führungskonzepte zusammengeführt und durch das Selbstverständnis der Kulturellen Bildung ergänzt.

„Damit Unternehmen für die Zukunft gut aufgestellt sind, müssen sie Führung anders denken. Förderprogramme, die ein solches Denken unterstützen, sollten drei Dinge zusammenbringen: die Werte von Good Leadership, die theoretische Auseinandersetzung mit Ethik und Leadership und die Handlungsprinzipien der Kulturellen Bildung. Dann können sie nach unserer Überzeugung einen wichtigen Beitrag zu einer humaneren, gerechteren und nachhaltigen Wirtschaft leisten“, so Gerdiken.


Über das Forschungsprojekt
Das Forschungsprojekt „Durch Kulturelle Bildung zu Good Leadership? Theoretische Grundlagen und didaktische Konzepte für eine kulturpädagogische Führungskräftequalifizierung“ wurde durch den Stiftungsverbund Rat für Kulturelle Bildung e. V. mit Finanzierung seitens der Karl Schlecht Stiftung gefördert. Die Wissenschaftlerinnen führten Interviews mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem „Bronnbacher Stipendium“ des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI e. V. und mit Studierenden aus dem Masterstudiengang „Leadership“ an der Frankfurt University of Applied Sciences. Die Interviews fanden zu Beginn des Bronnbacher Stipendiums im April 2019 und nach Abschluss des Stipendiums im März 2020 statt. Sie wurden als leitfadengestützte, problemzentrierte Interviews durchgeführt und mit der Methode der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet.

 

Informationen:
Der „Forschungsfonds Kulturelle Bildung“
Der Forschungsfonds Kulturelle Bildung ist ein Projekt des Stiftungsverbundes Rat für Kulturelle Bildung e. V., gefördert von der Stiftung Mercator und der Karl Schlecht Stiftung. Die Förderlinie der Karl Schlecht Stiftung zu Ethik und Leadership fokussiert auf Fragen der Persönlichkeitsentwicklung von angehenden Führungskräften in der Wirtschaft durch Kulturelle Bildung, insbesondere im Hinblick auf Kreativität, ethisch-moralische und sozial-kommunikative Kompetenzen.


Förderlinie „Ethik und Leadership“ der Karl Schlecht Stiftung im Forschungsfonds Kulturelle Bildung:
Projekttitel
„Durch Kulturelle Bildung zu Good Leadership? Theoretische Grundlagen und didaktische Konzepte für eine kulturpädagogische Führungskräftequalifizierung“

Projektpartner
Frankfurt University of Applied Sciences, Fachbereich Wirtschaft und Recht: Prof. Dr. Barbara Lämmlein (Projektleitung), Prof. Dr. Ulrike Gerdiken (Wissenschaftliche Mitarbeiterin) und Hannah Lutz (Wissenschaftliche Mitarbeiterin)
 

Die beiden Untersuchungsgruppen:
Das „Bronnbacher Stipendium – Kulturelle Kompetenz für künftige Führungskräfte“:
Das Bronnbacher Stipendium – Kulturelle Kompetenz für künftige Führungskräfte wurde vom Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e. V. 2004 mit dem Ziel ins Leben gerufen, die kulturellen Kompetenzen ausgewählter künftiger Führungskräfte bereits als Studierende zu fördern und sie zu motivieren, als spätere Entscheider auch gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Kooperationspartner ist seit 2004 die Universität Mannheim und seit 2017 zusätzlich das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Es wird von der BASF SE (Hauptsponsor), der Daimler AG und der Karl Schlecht Stiftung sowie weiteren Förderern unterstützt.

Der Studiengang „Leadership – Master of Arts (M.A.)“ an der Frankfurt University of Applied Sciences:
„Leadership“ wird an der Frankfurt UAS im Rahmen des dreisemestrigen Master-Studiums von den Studierenden selbst erforscht und erlernt. Sie entwickeln ihre eigene (Führungs-)Persönlichkeit in Prozessen der Selbstreflexion, unter anderem in Modulen wie Teamentwicklung (Wirkung in und auf Gruppen), Empowerment (Stärken und Schwächen erkennen und nutzen) und Ethics (Werte und Vielfalt ausgestalten). Der Studiengang qualifiziert die Absolventinnen und Absolventen für vielfältige Führungs- und Managementaufgaben in Linienfunktionen von Unternehmen, zum Beispiel Business-Development, Human Resources, Marketing – sowie für das weite Feld der Unternehmensberatungen.

 

Pressemappe: Forschungsergebnisse und Handlungsempfehlungen finden Sie in einer ausführlichen Zusammenfassung auf unserer Website.
Video: Einen Film zum Projekt finden Sie auf unserer Website und auf unserem YouTube-Kanal.
Fotos: Pressebildmaterial stellen wir im Newsroom unserer Website zur Verfügung.
Social Media: Die Geschäftsstelle des Rates für Kulturelle Bildung kommuniziert auf Twitter unter @RatKuBi zum Forschungsprojekt unter den Hashtags #ForschungsfondsKuBi #FFKuBi #GoodLeadership #KulturelleBildung.

Pressekontakt:
Alexandra Hahn
Telefon: 0201-89 94 35-12  
E-Mail: hahn(at)rat-kulturelle-bildung.de

 

Pressemitteilung als PDF

 

Handlungsempfehlungen für Führungskräfteprogramme

 

Ausführliche Zusammenfassung Forschungsergebnisse und Handlungsempfehlungen

 

Gespräch und Präsentation der Ergebnisse im Video