21.02.2019

Podiumsdiskussion und Austausch in der Komischen Oper Berlin

Auf Einladung des Rates für Kulturelle Bildung kamen am 18. Februar rund 100 Gäste zur Podiumsdiskussion „Alles immer smart? Gemeinsame Herausforderungen für Schule und Kultur im digitalen Wandel“ ins Foyer der Komischen Oper Berlin.

Dieser stimmungsvolle Veranstaltungsort steht ganz in der Tradition anregender Podiumsdiskussionen. Die Komische Oper ist zudem die Wirkungstsätte des Ratsmitgliedes Mustafa Akça, Mitarbeiter der Komischen Oper und Leiter des Projektes „Selam Opera!“.
Die geschäftsführende Direktorin, Susanne Moser, begrüßte das Publikum und stellte beispielhaft dar, wie ihr Haus den digitalen Wandel angeht. In der nachfolgenden Einführung stellte Eckart Liebau, Vorsitzender des Expertenrates, die Kernthese der Denkschrift „Alles immer smart. Kulturelle Bildung, Digitalisierung, Schule“ vor: Die Digitalisierung ist ein kultureller Prozess und somit müssen die zugehörigen Veränderungen zuallererst als kulturelles Phänomen wahrgenommen und verstanden werden. Kultureller Bildung kommt daher eine Schlüsselrolle zu.



Komplexes Themenfeld

Über die Herausforderungen für Schulen im digitalen Wandel und wie die Künste und Kulturinstitutionen hier Unterstützung leisten können, diskutierten Udo Michallik, Benjamin Jörissen, Ivana Scharf und Mechthild Eickhoff mit Moderator Manuel Hartung. Angesichts einer komplexen Ausgangslage wurden insbesondere die Themen „Digitalpakt“, „Lehrerfortbildung“ und „außerschulische Kooperationpartner“ diskutiert. Mit Blick auf die Denkschrift des Rates griffen die Diskutanten den Kulturwandel an Schule und die vom Rat geforderte Aufwertung der Künste in Schule auf.
Dabei tat sich ein Paradox auf zwischen einem kurzfristigen, hohen Veränderungsdruck in Schulen durch die Digitalisierung, und der systembedingten Langsamkeit linearer Veränderungsprozesse, zum Beispiel bei der Lehreraus- und weiterbildung.

 

Schule neu denken

Gefordert wurde, Schule im Zuge der Digitalisierung anders zu denken – als „Kulturort und Begegnungsraum“ (Jörissen), mit anderen Räumlichkeiten, die ein „kreatives Lernen und andere Formen des Zusammenarbeitens ermöglichen“ (Scharf), als Ort der „Kommunikation auf Augenhöhe, der Demokratie- und Autonomieerfahrung und Unberechenbarkeit trainiert“ (Eickhoff).
Deutlich wurde hier das Spannungsfeld zwischen einem „freien, experimentellen Schulwesen“ (Michallik) sowie dem tradierten deutschen Bildungsbegriff der Schulen, Wissen für formalisierte Abschlüsse zu vermitteln und deren Qualitätsniveau zu halten (Michallik). Dass eine mutige, pädagogisch sinnvolle Schulentwicklung, angeregt zum Beispiel durch Digitalisierung und kulturelle Bildung, und ein Einhalten der Lehrpläne kein Widerspruch sein müssen, dieser Diskurs steht der Gesellschaft wohl erst noch bevor.


Bereichernde Publikumsdiskussion

In der Publikumsdiskussion mahnte Sheherazade Becker, Projektleiterin des Jugend-Digitalfestivals „Tincon“ an, keine Zeit zu vergeuden, denn man sei gerade dabei, eine ganze Generation zu verlieren. Dass ein schnellerer digitaler Wandel und Fortschritt möglich sei, zeigten Beispiele wie „Bring Your Own Device“ oder nicht-institutionelle Weiterbildungen.

Michael Fritz von der Stiftung "Haus der Kleinen Forscher" stellte die Gemeinsamkeiten von Kultureller Bildung und der MINT-Bildung heraus: Essentiell sei eine forschende Haltung gegenüber dem Thema Digitalisierung und der Wille zu gestalten.
Winfried Kneip, Vorstandsmitglied im Rat für Kulturelle Bildung und Geschäftsführer der Stiftung Mercator, hob hervor, dass die Denkschrift eine Vermessung des Themas Digitalisierung in der Bildung vornimmt und die damit verknüpften Mythen hinterfragt. Die Denkschrift sei eine Vergewisserung darüber, dass neben „Künstlicher Intelligenz“ zunehmend „künstlerische Intelligenz“ in Schule benötigt werde.

Eine weitere wichtige Aufgabe der Zivilgesellschaft sei aus Stiftungssicht, dass junge Menschen befähigt werden, mit kommerziellen und ideologischen Interessen im Netz kritisch-konstruktiv umzugehen, demokratisch mündig zu urteilen - und dass sie die Kompetenz erwerben, Digitalisierung in Bildung auch in einen konstruktiv-kreativen Prozess zu wandeln.

 

Schöner Ausklang und anregendes Get-Together an der Bar

Podiumsgäste:
Udo Michallik, Generalsekretär der Kultusministerkonferenz (KMK)
Prof. Dr. Benjamin Jörissen, Experte im Rat für Kulturelle Bildung und Inhaber des Lehrstuhls für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Kultur, ästhetische Bildung und Erziehung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Ivana Scharf, Geschäftsleiterin MUTIK gGmbH
Mechthild Eickhoff, Leitung UZWEI_Kulturelle Bildung im Dortmunder U
Moderation: Manuel Hartung, DIE ZEIT

Publikation:
Alles immer smart. Kulturelle Bildung, Digitalisierung, Schule

 

Videostatements der Podiumsgäste und Aufzeichnung der Podiumsdiskussion