Rat für Kulturelle Bildung e. V. –
eine starke Allianz für Kulturelle Bildung!

Der Verein „Rat für Kulturelle Bildung e. V.“ mit Geschäftsstelle in Essen wird von einem Stiftungsverbund getragen, dem sieben Stiftungen angehören. Der Zusammenschluss ermöglicht es den Stiftungen, gemeinsam starke Impulse für die Weiterentwicklung und Verankerung Kultureller Bildung auf zwei Ebenen zu geben:

Diskurspolitik - durch den unabhängiger Expertenrat „Rat für Kulturelle Bildung“
Forschung - durch den „Forschungsfonds Kulturelle Bildung“

25.03.2020

Momentaufnahmen: (#1) "Zwischen Lähmung und Hyperaktivität"

Aktuelles

Seit dem 16. März arbeitet die Geschäftsstelle des Rates für Kulturelle Bildung aus dem Homeoffice. Nach einer Phase der Selbstorganisation steht diese Woche der Austausch mit unserem Netzwerk im Vordergrund, auch intensiv mit unseren elf Ratsmitgliedern. Unsere Expertinnen und Experten – besonders die, die in Institutionen mit Publikum, Seminarteilnehmenden oder Studierenden arbeiten – setzen gerade, wie so viele, alle Energie daran, die Folgen der neuen Situation unter Corona abzufedern und ihre Veranstaltungen und Angebote Kultureller Bildung digital erlebbar zu machen.

Wir wollen hier in den nächsten Wochen Lageberichte aus der Kulturellen Bildung und unserem Netzwerk teilen. Es sind kurze Momentaufnahmen mit Fragen, Zustandsbeschreibungen und auch ermutigenden Erfahrungen, die viele gerade machen:

Florian Höllerer, Leiter LCB

Florian Höllerer, Leiter des Literarischen Colloquiums Berlin (LCB)

Kurzer Zustandsbericht aus einer Zeit zwischen Lähmung und Hyperaktivität: Das LCB im Home-Office ist zum einen sehr mit Absagen, Verlegen, Umplanen, Heimflügen unserer Stipendiaten, Ausfallhonoraren etc. beschäftigt. Zum anderen versuchen wir uns an neuen Wegen, damit das Programm zum Publikum kommt, ohne dass das Publikum zu uns kommen muss: Wir widmen uns unserer Rubrik 'Leselampe', die nun tagtäglich einen ausführlichen Buchtipp von ausgewählten Buchmenschen online stellt. Für unser Tonarchiv dichterlesen.net haben wir die ebenfalls täglichen Hinweise 'Frisch aus dem Archiv' ins Leben gerufen; Am Montag wurden sie im ZDF-Morgenmagazin vorgestellt.

LCB diplomatique, unser internationales Nachrichtenportal, intensiviert die Kooperationen weltweit, wie mit dem Goethe Institut. Besonders aufwendig ist die Entwicklung des Online-Kanals „LCB digital“, über den wir in Zukunft Lesungen streamen werden, aber auch Materialgespräche und Interviews planen, also für unsere Abendveranstaltungen andere Formen finden. Ein gutes Beispiel ist unser „poetisch-politischer Casino“-Abend, der ein Programm mit fast zwanzig Autor*innen auf vier Bühnen vorsah, und nun als Filmclip-Sammlung präsentiert werden wird. Alles auf www.lcb.de.

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Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss, Leiterin der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel:

„Wir arbeiten derzeit mit unserem Team in Videokonferenzen zusammen und versuchen Seminare ins Web zu verlegen. Ein erstes Seminar findet am 3. April statt und hat den Titel 'Chorarbeit in Zeiten von Corona'. Zielgruppe sind zunächst Absolventinnen und Absolventen unseres Lehrgangs Jazz- und Popchorleitung, die auch in diesen Zeiten weiter proben möchten. Wie kann das gehen? Das versuchen wir zu er- und zu vermitteln.

Des Weiteren planen wir das Seminar 'Bildrecht' auch digital anzubieten. Ob das gelingt, schauen wir gerade. Eine Herausforderung ist, dass die Aufmerksamkeitsspanne
am Bildschirm geringer ist als in 'echt'. Das heißt für viele Seminare, dass wir mehr Pausen und kürzere Zeiteinheiten einsetzen müssen. Zudem ist für uns eine wichtige Frage die Preispolitik: Können wir für ein digitales Seminar die gleiche Zahlungsbereitschaft erwarten wie für ein Präsenzseminar? Für Dozierende ist es der gleiche beziehungsweise sogar ein höherer Aufwand, rechtfertigt also ein ähnliches Honorar. Mit diesen und solchen Fragen beschäftigen wir uns derzeit.“ Termine unter www.bundesakademie.de.

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Lydia Grün, gerade unterwegs als Produktionsleiterin auf dem „Beethoven-Schiff“, genannt BTHVN Musikfrachter 2020:

„Wir bauen das Schiff zu einem digitalen Studio um und produzieren eine digitale Sendestrecke mit Musik, Tutorials, Interviews und übergreifenden Sessions, je 12 Stunden live am 28. und 29. März auf Youtube und Facebook, die wir in diesen Tagen vorproduzieren. Ich bin weit entfernt davon, das gerade objektiv toll finden zu können - wir haben nach der fulminanten Schiffstaufe 102 Veranstaltungen abgesagt. Aber fachlich ist das aus kulturpolitischer und Kulturelle-Bildungsperspektive natürlich interessant, was für neue Formate im Eiltempo hier auf einmal entstehen.

Bei all dem bleibt: Wir betrachten hier die Situation drei Mal am Tag in einer „Lage-Sitzung“ neu und entscheiden je nach Situation und Gefährdungslage. Ich trage hier auch Verantwortung für Crew und Gäste an Bord. Dennoch wollen wir – so lange das verantwortbar ist - ein Zeichen setzen.“ Zu den Videos.

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Benjamin Jörissen, Lehrstuhl für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Kultur, ästhetische Bildung und Erziehung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Die Friedrich-Alexander-Universität hat frühzeitig auf die Pandemie reagiert, so dass unsere Mitarbeitenden, auch in den Sekretariaten, schon seit einiger Zeit überwiegend im Homeoffice arbeiten. Wir haben anstehende Tagungen teilweise auf den Winter verschoben und bereiten uns derzeit darauf vor, dass die Lehre im Sommersemester überwiegend in Online-Form abgehalten wird. Dies gilt auch für die Fortbildungen an unserer Nürnberger Akademie für Schultheater und performative Bildung.

Bei aller Ungewissheit und Komplikationen, die uns erwarten (zum Beispiel durch „bis auf weiteres“ ausgesetzte Prüfungstermine an unserer Universität) bringt die Krisensituationen doch auch Gutes hervor: zum Beispiel solidarisches, gemeinsames Handeln und nicht zuletzt Gestaltungswillen in Bezug auf die Herausforderung, die Lehre auf neue Weise (mediengestützt) zu gestalten. Und wer weiß, vielleicht entwickeln wir dabei auch eigene Perspektiven auf innovative Hochschullehre, die auch nach der Krise Bestand haben.