09.12.2016

ZUR SACHE: Gespräche zur Kulturellen Bildung (I)

Gut besuchte Debatte im Berliner Podewil unter dem Titel „Neu – Fremd – Anders“: Rund 70 Akteure aus Politik, Kultur, Bildungswesen und den Wissenschaften waren der gemeinsamen Einladung des Rates für Kulturelle Bildung und der Kulturprojekte Berlin GmbH zum kritischen Dialog zwischen Ratsmitglied Johannes Bilstein und dem Soziologen Hans-Georg Soeffner am 9. Dezember gefolgt. Der Abend sollte einen besonderen Blick auf die Frage werfen, wie und warum Veränderungsprozesse in unserer Gesellschaft durch Neues, Fremdes und Andersartigkeit geprägt sind und dies immer schon waren.

Nach einer kurzen Einführung durch Eckart Liebau, Vorsitzender des Expertenrates, gaben beide Diskutanten kurze Impulse; anschließend folgte der ausführliche Dialog. Den Begriffen Kultur wie auch Bildung wohne das Fremd- und Anderssein konstitutiv inne, so die große Linie des abwechslungsreichen, gut anderthalbstündigen Gesprächs. Unsere Kultur und Gesellschaft setzten sich seit langer Zeit mit dem Anderen und mit dem Fremden auseinander. Der – ohnehin unscharfe – Begriff „Kultur“ sollte deshalb in pluralen, offenen Gesellschaften durch die Mehrzahl „Kulturen“ ersetzt werden. Schon das alltägliche Leben in solchen Gesellschaften verlange von uns ständig einen 'praktischen Kulturvergleich', denn es sei geprägt durch die Konkurrenz von Kulturen und durch eine generelle wechselseitige Fremdheit der Gesellschaftsmitglieder untereinander.

"Andererseits sind auch im durchaus klassischen Verständnis Bildungsprozesse immer als Entfremdungsprozesse gedacht und diskutiert worden. Für die Künste wiederum gehört – zumindest nach neuzeitlichem Verständnis – die Begegnung mit dem Ungewohnten, Unvertrauten und Neuen zu den entscheidenden Charakteristika. In der gegenwärtigen Diskussionslage, die den Umgang mit dem Fremden auf bisher nicht gekannte Weise in den Fokus des öffentlichen Interesses und der öffentlichen Verhandlungen stellt, können die Praxen und die Diskurse um die Kulturelle Bildung insofern vor Augen führen, wie durchaus traditionell und nahezu selbstverständlich die Vermischung von Lebensformen und Lebensstilen und das kontroverse Nachdenken und Reden über diese Vermischungen sind", hieß es abschließend.


Fotoimpressionen (Copyright: Phil Dera) zur Veranstaltung gibt es auf der nachfolgenden Internetseite.