FAQ

Wer wir sind

Im Rat für Kulturelle Bildung kommen Expertinnen und Experten sehr verschiedener Bereiche zusammen, sie vertreten unterschiedliche Wissenschaften, Künste, Medien und Kulturpolitik im weitesten Sinn. Auf verschiedene Weise sind die elf Mitglieder im Feld der Kulturellen Bildung verankert und betrachten es interdisziplinär. Sie repräsentieren keine Verbände, Vereine, Parteien oder Konfessionen, sondern wurden auf Grund ihrer persönlichen Expertise durch einen Verbund von sieben Stiftungen berufen, die im Bereich der Kulturellen Bildung engagiert sind. Auch diesem Stiftungsverbund gegenüber sind die Expertinnen und Experten an keine Weisungen gebunden. Diese Unabhängigkeit ist wesentlich: Sie unterscheidet die Empfehlungen des Rates für Kulturelle Bildung von Lobbyarbeit für einzelne Interessengruppen.

Was ist unsere Aufgabe?
Der Rat will dazu beitragen, Kulturelle Bildung als etwas Selbstverständliches im Alltag zu etablieren und in der Lebenslaufperspektive für alle Altersgruppen zugänglich und erfahrbar zu machen. Er will die Diskussion um Qualität in der Kulturellen Bildung befördern und Kulturelle Bildung strukturell verankern, im formalen wie im non-formalen Bildungsbereich.

Ziel ist es, ästhetische Wahrnehmung und Gestaltung als spezifische Dimension von Bildung inhaltlich deutlich und öffentlich sichtbar zu machen. Die unterschiedlichen Kunstsparten sollen jeweils für sich, aber auch in ihren gemeinsamen Potenzialen, stärker in die bildungspolitische Diskussion und in strukturelle Bildungskooperationen einbezogen werden. Dabei geht es auch darum, Umsetzungsprobleme bei kulturellen Bildungsmaßnahmen zu analysieren und Forschung zu befördern, um den Informationsstand zur Kulturellen Bildung in Deutschland zu verbessern.

Der Rat versteht sich dabei auch als Werkstatt offenen und kritischen Denkens und bietet eine Plattform zum Austausch zwischen Akteuren Kultureller Bildung. Der Rat gibt Impulse für Politik, Praxis und Wissenschaft, etwa durch Expertisen und Empfehlungen zu aktuellen Themen, Denkschriften, empirische Studien und Fachgespräche und lädt Interessierte auf allen Ebenen dazu ein, in einen kritischen Austausch zu treten.

Was versteht der Rat unter „Kultureller Bildung“?
Unter Kultureller Bildung versteht der Rat die Allgemeinbildung in den Künsten und durch die Künste. Diese umfasst auch Fähigkeiten und Haltungen, die es Menschen ermöglichen, die Welt und das eigene Leben unter ästhetischen Gesichtspunkten wahrzunehmen und zu gestalten. Kulturelle Bildung stellt somit eine Erweiterung der Wahrnehmungs- und Gestaltungsmöglichkeiten dar. Um der Komplexität der Welt gerecht zu werden, ist nicht nur mathematisch-naturwissenschaftliche, handwerklich-technische, sprachliche und sozialwissenschaftliche, sondern auch und vor allem ethische und ästhetische Bildung erforderlich.

Welche Rolle nimmt der Rat ein?
Der Rat versteht sich als critical friend der Akteure im Bereich der Kulturellen Bildung. Die Aufgabe von „kritischen Freunden“ liegt darin, Entwicklungen zu beobachten, Zusammenhänge zu erkennen und Impulse zu geben, die über die Alltagsroutinen hinausgehen. Dazu gehört auch eine sorgfältige Bestandsaufnahme der Wissensgrundlagen. Auf der Basis von empirischen Erkenntnissen kann der Rat sowohl die Lage der Kulturellen Bildung prüfen und kritisch hinterfragen als auch seine Empfehlungen begründen. Der Sachverstand des Rates und seine Analysen sind unabhängig von spezifischen Interessen und daher neutral. Die Expertinnen und Experten sind präsent im Feld der Kulturellen Bildung und haben dadurch „ein Ohr an der Praxis“.

An wen richten sich die Empfehlungen?
Die Empfehlungen des Rates sollen in Politik und Öffentlichkeit, Praxis und Wissenschaft wirken. Die Denkschriften und Analysen sollen eine nützliche Lektüre sowohl für Bildungspolitiker und Bildungsforscher als auch für Programmverantwortliche und Praktiker bilden. Dabei stellt die dringende Empfeh-lung, die Frage nach der Qualität auf allen Ebenen des Handelns und Entscheidens im Bereich der Kulturellen Bildung beherzter zu stellen, nicht nur einen Aufruf zur Selbstkritik der Akteure dar. Sie soll auch anregen, die gegebenen Strukturen und auch die gängige Antrags-, Genehmigungs- und Förde-rungspraxis zu überprüfen – im Sinne eines wirksameren Einsatzes von Mitteln.

Wie sollte die Situation im Bereich Kultureller Bildung in Deutschland aussehen?

  1. In Kindheit und Jugend ist die Begegnung mit den wesentlichen Kunstformen (Musik, bildende Kunst, Literatur, Theater, Tanz, Film, Architektur) für alle Kinder und Jugendlichen ein selbstverständlicher Teil der Allgemeinbildung.
  2. Die Möglichkeiten für ästhetische Erfahrungen sind für alle Bevölkerungsgruppen über die Lebensspanne hin ausgebaut und auf eine finanzielle und strukturelle Grundlage gestellt, sodass jeder Interessierte künstlerische und kulturelle Bildungsangebote nutzen kann.
  3. Im formalen und non-formalen Bildungsbereich stehen allen Interessierten vielseitige Gestaltungs- und Vertiefungsmöglichkeiten offen und Angebote Kultureller Bildung zur Verfügung.
  4. Die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer, Künstlerinnen und Künstler sowie Kulturpädagoginnen und -pädagogen findet die gebührende Anerkennung und Entlohnung.

Wie will der Rat Qualität von Kultureller Bildung messen? Gibt es Kriterien, Richtwerte?
Man kann nur das Zählbare zählen, nur messen, was gemessen werden kann. Der berechtigte Wunsch nach Evaluation und „harten Fakten“ führt deshalb in der Frage nach der Qualität schnell zu einer Verengung der Perspektive. Eine ästhetische Erfahrung ist nicht messbar, auch wenn ihre Folgen weitreichend sein können. Ob ein Projekt gelingt oder nicht, hängt in vielen Fällen weniger an der Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als an ihrer Persönlichkeit und ihrem Einfallsreichtum.
Auch die Qualität der Gegenstände, die im Zentrum der Wahrnehmung, der Ausführung, Analyse oder Interpretation stehen, ist entscheidend: Nicht jeder (künstlerische) Gegenstand ist von seiner Beschaf-fenheit gleichermaßen geeignet, ästhetische Erfahrungen hervorrufen zu können. Das gemeinsame Verständnis von Qualität muss insofern stets kontextbezogen entwickelt werden. Ein besonderes Anliegen des Rates ist es, Qualitätsmerkmale aus den Künsten heraus zu entwickeln und in der Praxis anwendbar zu machen.

Wer trägt den Rat für Kulturelle Bildung und wie wird er finanziert?
Der Verein „Rat für Kulturelle Bildung e. V.“ mit Geschäftsstelle in Essen wird von einem Stiftungsverbund getragen, dem sieben Stiftungen angehören: Bertelsmann Stiftung, Deutsche Bank Stiftung, Karl Schlecht Stiftung, PwC-Stiftung, Robert Bosch Stiftung, Stiftung Mercator, Stiftung Nantesbuch. Der Zusammenschluss ermöglicht es den Stiftungen, gemeinsam starke Impulse für die Weiter-entwicklung und Verankerung Kultureller Bildung insbesondere auf zwei Ebenen zu geben:

Diskurspolitik (unabhängiger Expertenrat “Rat für Kulturelle Bildung“), Forschung („Forschungsfonds Kulturelle Bildung“, „Machbarkeitsstudie Qualitätsinstitut Kulturelle Bildung“).

Wer beruft die Ratsmitglieder?
Die aktuelle Besetzung des Rates für Kulturelle Bildung geht auf Empfehlungen einer unabhängigen Findungskommission zurück. Die Berufung der Expertinnen und Experten erfolgt durch die Mitglieder-versammlung des Trägervereins für bis zu drei Jahre, eine Wiederberufung von bis zu drei Jahren ist möglich.

Arbeiten die Ratsmitglieder ehrenamtlich?
Die Arbeit der Expertinnen und Experten ist ehrenamtlich. Aufwendungen im Zusammenhang mit den Ratssitzungen werden jedoch erstattet und für die Sitzungen wird ein Sitzungsgeld gezahlt.