Rat für Kulturelle Bildung

Rat für Kulturelle Bildung fordert BuT-Reform

Das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) in seiner jetzigen Form hat die daran geknüpften Erwartungen nicht erfüllt und bedarf dringend weiterer Reformen. Das ergeben aktuelle Auswertungen des Rates für Kulturelle Bildung (Essen) in Verbindung mit dem zweiten Zwischenbericht zur Evaluation des BuT, den die Bundesregierung im Juli 2015 vorgelegt hat. Prof. Dr. Eckart Liebau, Vorsitzender des unabhängigen Expertenrates und Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls für Kulturelle Bildung an der Universität Nürnberg-Erlangen, dazu: „Wenn zehn Euro Zuschuss für die Teilnahmegebühr in der Musikschule sechs Euro Bürokratiekosten erzeugen, dann sollten sich weder der Bund noch die Kommunen dem Reformbedarf verweigern. Das gleiche gilt, wenn fünf Jahre nach Einführung des BuT nur ein Drittel der anspruchsberechtigten Kinder und Jugendlichen Leistungen für kulturelle und soziale Teilhabe in Anspruch nehmen. Und nicht zuletzt: Bis heute wird nicht einmal überprüft, ob unter den vielen nach Deutschland geflüchteten Menschen unter 25 Jahren die Angebote für soziokulturelle Teilhabe über das BuT genutzt werden. Hier hätte der Staat deutlich bessere Möglichkeiten, den jungen Leuten nachhaltig zu helfen.“

JobCenter-Reform ist idealer Zeitpunkt für BuT-Reform

Mit Blick auf die von Bundesministerin Andrea Nahles angekündigte Gesetzesvorlage zur Reform der – auch für die BuT-Leistungen zuständigen – JobCenter ergänzt der Sprecher des Rates für Kulturelle Bildung, Prof. Dr. Holger Noltze: „Wir schätzen den umfangreichen zweiten Zwischenbericht zum BuT vor allem für seine scharfen, detailreichen Analysen. Uns ist auch nicht entgangen, dass das federführende Ministerium für Arbeit- und Soziales durchaus kritisch und konstruktiv Stellung zu dem Bericht genommen hat. Dennoch hat seit dem zweiten Zwischenbericht keine produktive öffentliche Debatte über den Zustand und die Konstruktion des Bildungs- und Teilhabepakets stattgefunden. Ein bürokratischer Aufwand von rechnerisch gut 192 Millionen Euro jährlich ist fragwürdig. Die anstehende JobCenter-Reform wäre eine gute Gelegenheit, um auch die strukturellen Mängel des BuT zu beseitigen. Das Paket könnte weit mehr bewirken als bisher erkennbar wurde.“

Durchgreifende Veränderungen seit dem Verfassungsgerichtsurteil

Prof. Dr. Eckart Liebau ergänzt: „Es geht uns nicht um ideologische Debatten darüber, ob Geldleistungen oder Sachleistungen sinnvoller sind. Uns beschäftigt die Frage, ob das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber im Februar 2010 nur diese eine Möglichkeit der Übersetzung in ein gerichtsfestes Gesetz gelassen hat. In den Leitsätzen des Urteils heißt es, dass die zu erbringenden Leistungen stetig an die aktuellen Lebensbedingungen und den Entwicklungsstand unseres Gemeinwesens anzupassen seien. Seit-her haben wir aber durchgreifende Veränderungen im Nachmittagsbereich insbesondere für die Grundschüler: Immer mehr soziokulturelle Angebote der freien Träger werden in den Offenen Ganztag verlagert. BuT-Leistungen gibt es dort aber nicht für kosten-pflichtige Angebote. Das heißt, in manche Theater- oder Zeichen-AG gehen wieder nur Kinder derjenigen Eltern, die sich das aus dem eigenen Portemonnaie leisten können.“

Nach wie vor unzureichende Datengrundlage zur Zahl und Inanspruchnahme der Leistungsberechtigten

Nach wie vor liegen keine amtlichen Daten darüber vor, wie viele Menschen zwischen 3 und 25 Jahren tatsächlich berechtigt wären, Leistungen des Bildungs- und Teilhabepaktes zu erhalten. Daher hatte das Statistische Bundesamt diesen Wert für den zweiten Zwischenbericht auf Basis mehrerer Eckdaten geschätzt. Demnach hatten Anfang 2015 rechnerisch etwa 2,7 Millionen Kinder und Jugendliche Anspruch auf die monatlich bis zu zehn Euro Sachleistungen im Bereich der soziokulturellen Teilhabe. Dem ermittelten sogenannten Erfüllungsaufwand zur Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepakets in Höhe von rund 192 Millionen Euro jährlich stünden mithin Leistungen für die Kinder und Jugendlichen im Wert von maximal 324 Millionen Euro pro Jahr gegenüber.

Neue soziale Benachteiligungen

Prof. Dr. Jürgen Schupp, Mitglied im Rat für Kulturelle Bildung und Direktor des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, erläutert: „Es stimmt mehr als bedenklich, dass sowohl für die öffentlich finanzierte als auch die private Förderlandschaft in der Studie festgestellt wurde, dass die Einführung der Leistungen für soziokulturelle Teilhabe entweder zur Substitution, Verschiebung oder Anpassung dieser freiwilligen Leistungen geführt hat, etwa, dass in einigen Kommunen bestehende Zuschüsse für Musikschulen oder Sozialpässe nach Einführung des BuT ge-kürzt und diese Beträge seither über das BuT abgerechnet werden. Solche Einschrän-kungen des kommunalen Leistungsangebots treffen vor allem Kinder einkommens-schwacher Eltern, deren Einkünfte nur knapp über den Schwellen der Anspruchsberechtigung von Sozialleistungen liegen“.

Jürgen Schupp verstärkt Rat für Kulturelle Bildung

Prof. Dr. Jürgen Schupp, Direktor der Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und Professor für Soziologie am Institut für Soziologie der FU Berlin, ist neues Mitglied im Rat für Kulturelle Bildung. Schupp verstärkt das mit ihm zwölfköpfige unabhängige Beratungsgremium seit Jahresbeginn und bringt mit Blick auf die im Sommer beginnende zweite dreijährige Laufzeit des Expertenrates als Soziologe und Ökonom eine neue Expertise in das Gremium. Schupp zur Motivation für sein Engagement: „Kultureller Bildung auch durch die Methoden der empirischen Kultursoziologie mehr Geltung zu verschaffen und sich verstärkt den Wechselwirkungen von Nachfrage und Angebot Kultureller Bildung zu widmen, prägen mein Interesse am Rat. Dies bezieht sich auch auf Forderungen an die Politik, Kulturelle Bildung gezielter mit öffentlichen Mitteln zu fördern, um die gestiegene Chancenungleichheit in Deutschland zu begrenzen.“

 

Vorsitzender Eckart Liebau dankt scheidenden Mitgliedern

Zugleich verlassen Prof. Dr. Dr. h. c. Heinz-Elmar Tenorth, emeritierter Professor für Historische Erziehungswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, sowie Prof. Dr. Oliver Scheytt, Professor für Kulturpolitik und kulturelle Infrastruktur an der Hochschule für Musik und Theater und Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft, das Experten-gremium nach dreijähriger Mitwirkung. Prof. Dr. Eckart Liebau, Vorsitzender des Rates für Kulturelle Bildung und Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls für Kulturelle Bildung an der Universität Erlangen-Nürnberg, dazu: „Ich möchte Heinz-Elmar Tenorth und Oliver Scheytt im Namen aller Ratsmitglieder ganz herzlich für ihre intensive und fruchtbare Mitarbeit danken. Beide haben wesentlich dazu beigetragen, der Bedeutung und Unerlässlichkeit Kultureller Bildung bundesweit größere Aufmerksamkeit zu verleihen.“

Zum Portrait von Prof. Dr. Jürgen Schupp

 

 

Podiumsdiskussion "Kunst vs. Kulturelle Bildung?"

Lehrerausbildung in künstlerischen Schulfächern muss ausgebaut werden

Kulturelle Bildung und die Künste stehen weniger im Konflikt um finanzielle und personelle Ressourcen, als aktuelle Debatten dies vermuten lassen. Vielmehr existiert in Deutschland ein massives strukturelles und finanzielles Problem bei der Ausbildung von Lehrkräften für die künstlerischen Schulfächer. Das ist die zentrale Erkenntnis der gemeinsamen, öffentlichen Podiumsdiskussion des Rates für Kulturelle Bildung und des Kulturrates NRW vom Montag, 16. November, in der Fritz Thyssen Stiftung in Köln, zum Thema „Kunst vs. Kulturelle Bildung?“ Vor rund 70 Gästen aus den Künsten, der Kulturellen Bildung sowie aus Wissenschaft und Kulturpolitik hob der Vorsitzende des Kulturrates NRW, Bundesminister des Innern a.D. Gerhart R. Baum, zu Beginn in seinem Grußwort hervor, in Nordrhein-Westfalen sei ein zum Teil erschreckender, schleichender Erosionsprozess bei der Künstlerförderung zu beobachten.


Liegt der Konflikt wirklich zwischen den Künsten und der Kulturellen Bildung?


Moderatorin Anke Bruns richtete die Frage in die Runde, wie bedeutsam die Vermittlung in den Künsten im Vergleich zu den Künsten selbst für die Gesellschaft tatsächlich sei. Prof. Dr. Holger Noltze, Sprecher des Rates für Kulturelle Bildung und Professor für Musik und Medien an der TU Dortmund dazu: „Seit dem PISA-Schock fragen alle: Sind wir auf dem Weltmarkt überhaupt noch konkurrenzfähig? Die künstlerischen Fächer fallen dabei hinten runter. Diese Fächer werden in Sonntagreden hochgehalten, aber vermutlich die Hälfte des Unterrichts findet nicht regelmäßig statt, wie unsere Allensbach-Studie vom Sommer gezeigt hat. Hier müssen wir die Schulpolitik unter Druck setzen. Und in der Lehrerausbildung müssen wir dafür sorgen, dass Lehrer mit stärkerem Selbstbewusstsein an Schulen gehen können, um zu sagen: Das, was wir hier machen, ist essenziell wichtig.“ Eine der zentralen Forderungen der im Oktober vom Rat für Kulturelle Bildung veröffentlichten Denkschrift „Zur Sache. Kulturelle Bildung: Gegenstände, Praktiken und Felder“ lautet entsprechend, die Lehrerausbildung in diesen Fächern deutlich auszubauen.


Linda Müller, stellvertretende Vorsitzende des Kulturrates NRW, ergänzte: „Tanz ist in den Lehrplänen der Grundschulen im Bereich Musik und Sport vorgesehen, findet aber nur ganz selten statt. Es gibt Schulen, an denen viel getanzt wird, an anderen gar nicht, da hängt es von den Lehrern und Schulleitungen ab. Deswegen müssen wir Aufklärungsarbeit in der Lehrerausbildung leisten, um zu zeigen, was man mit Tanzkunst alles bewirken kann: Wenn man ins Experimentieren geht, wenn man nicht einfach nur vorgegebene Sachen nachmacht, wenn man neue Dinge ausprobiert, wenn man Scheitern erlaubt und ganz experimentell an Bewegung herangeht.“

Zu sehen von links: Holger Noltze (Sprecher des Rates für Kulturelle Bildung und Leiter des Instituts für Medien und Musik an der TU Dortmund); Diemut Schilling (Künstlerin und Mitglied des Rates für Kulturelle Bildung); Andreas C. Lehmann (Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie); Linda Müller (stellvertretende Vorsitzende Kulturrat NRW); Reinhard Knoll (stellvertretender Vorsitzender Kulturrat NRW) sowie WDR-Moderatorin Anke Bruns. Foto: Jürgen Rieger.

Inhaltliche und strukturelle Mängel in der Lehrerausbildung


Prof. Dr. Andreas C. Lehmann, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie und Professor für systematische Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik Würzburg, wies auf weitere Missstände in der Lehrerausbildung hin: „Lehrerausbildung kostet viel Geld, Lehrer einstellen ebenfalls. Gerade in den Künsten gibt es extrem teure Ausbildungswege, da möchte man natürlich nicht zu viele Leute drin haben. Und deshalb sehe ich dort ein gewisses Problem in der Ausbildung. Es werden wahrscheinlich gerade im Grundschulbereich nicht genug Leute ausgebildet. Dort muss man genauer hinsehen.“ Lehmann sprach damit eine weitere Forderung der aktuellen Denkschrift „Zur Sache“ des Rates für Kulturelle Bildung an, die nach der Sicherung einer Grundversorgung mit Kultureller Bildung.

Neben der Frage nach einer hinreichenden Zahl von Lehrerinnen und Lehrern für künstlerische Fächer gibt es zudem massive strukturelle und inhaltliche Probleme bei der Lehrer-Ausbildung. Diemut Schilling, Künstlerin, Professorin für Zeichnung und Druckgrafik am Institut für Schulpädagogik und Lehrerbildung der Alanus-Hochschule sowie Mitglied im Rat für Kulturelle Bildung: „Kunstpädagogen werden in unserem System von Menschen ausgebildet, die sich für eine Wissenschaftslaufbahn, für Promotion und Habilitation entschieden und naturgemäß nicht viel Zeit in Schulen verbracht haben. Praxiserfahrung an Schulen ist kolossal peripher. Wie soll denn das gehen? Wenn man solche Strukturen nicht ändert, wird man nicht zu einem Kunstunterricht kommen, den wir uns wünschen im Rahmen Kultureller Bildung.“

Moderatorin Anke Bruns erhielt im Anschluss an die Podiumsdiskussion zahlreiche Fragen aus dem Publikum. 

Reinhard Knoll, stellvertretender Vorsitzender des Kulturrates NRW ergänzte: „Wir brauchen eigentlich eine größere Überschrift, um zwischen Kunst und Gesellschaft mehr Verbindung hinzubekommen. Denn wir wissen durch zahlreiche Erhebungen und Statistiken, in welch prekären Verhältnissen Künstlerinnen und Künstler oft leben. Wenn die aber das Gefühl haben, wir können am besten überleben, wenn wir noch Vermittlung betreiben, dann werden sie sich immer weniger mit ihrer Kunst beschäftigen. Vor dem Hintergrund wäre ein Exzellenz-Cluster im Bereich kultureller Vermittlung an Universitäten und Hochschulen notwendig, damit diese Wertigkeit auch geschaffen wird.“

Konsens herrschte unter den Podiumsgästen darüber, dass – auch dies eine Forderung der Denkschrift „Zur Sache“ – eine Steigerung der Qualität in der Kulturellen Bildung nur erreicht werden könne, wenn deren künstlerische Gegenstände grundsätzlich und kritisch auf ihr spezifisches Bildungspotenzial hin untersucht werden.


Aufgezeichnet wurde die Veranstaltung durch das Kulturradio WDR 3 für "Forum WDR 3". Sendetermin: Sonntag, 20.12.2015, 19.05 Uhr. Der Rat für Kulturelle Bildung und der Kulturrat NRW danken der Fritz Thyssen Stiftung für die freundliche Unterstützung der Veranstaltung.

ZUR SACHE: neue Denkschrift vorgestellt

Der Rat für Kulturelle Bildung hat am 8. Oktober 2015 an der Bauhaus-Universität Weimar der (Fach-)Öffentlichkeit seine neue Denkschrift vorgestellt. Nach der kritischen Auseinandersetzung mit der Qualität des Diskurses sowie mit der Qualität der Zugangsmöglichkeiten und der Teilhabeinteressen in den vorangegangenen Denkschriften, geht es nun „ZUR SACHE“ – also um die Gegenstände und Inhalte der Kulturellen Bildung.
Den Auftakt der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion: Welche neuen Perspektiven die genauere Betrachtung der Inhalte Kultureller Bildungsangebote bietet, ob und in welcher Form das Verschwinden der Gegenstände Kultureller Bildung aus den (schulischen) Curricula aufzuhalten ist, wie sich bei der Wahl der Inhalte Strukturen von Macht und Einfluss zeigen und wie in einer transkulturell geprägten Gesellschaft die Frage nach Verbindlichkeiten oder einem Kanon beantwortet werden kann – das diskutierten vormittags auf dem Podium:

Von links: Prof. Dr. Eckart Lange (Präsident des Kulturrates Thüringen); Prof. Dr. Eckart Liebau (Vorsitzender des Rates für Kulturelle Bildung; UNESCO-Chair in Arts and Culture in Education); Moderatorin Karin Fischer (Deutschlandfunk); Prof. Diemut Schilling (Mitglied des Rates für Kulturelle Bildung, Künstlerin); Hellmut Seemann (Präsident der Klassik Stiftung Weimar) sowie Tobias J. Knoblich (Kulturdirektor des Landeshauptstadt Erfurt; Vizepräsident der Kulturpolitischen Gesellschaft). Foto: Burak Erkil.

Die Präsentation der Denkschrift des Rates wurde am Nachmittag flankiert von der Präsentation einer künstlerischen Recherche mit dem Titel YOU SAY ART I SAY WHAT. Im Rahmen eines WALK OF ART – einer künstlerischen Begehung mit dem Publikum – wurden kleine Installationen und Performances an der Universität und im öffentlichen Raum der Stadt Weimar gezeigt, zum Abschluss ein eigens produziertes ART BOOK im Foyer des Deutschen Nationaltheaters performativ vorgestellt.


Das Projekt wurde von Prof. Danica Dakić (Professorin an der Bauhaus-Universität und Mitglied im Rat für Kulturelle Bildung), ihrem Team und Studierenden des internationalen Masterstudiengangs „Public Art and New Artistic Strategies“ an der Fakultät Gestaltung der Bauhaus-Universität Weimar durchgeführt.

Das Projekt YOU SAY ART I SAY WHAT ist eine künstlerische Recherche von Prof. Danica Dakić, ihrem Team und Studierenden des internationalen Masterstudiengangs „Public Art and New Artistic Strategies“ an der Bauhaus-Universität Weimar. Es entstand ergänzend zur Publikation des Rates für Kulturelle Bildung „Zur Sache. Kulturelle Bildung: Gegenstände, Praktiken und Felder“. Das Projekt schlägt eine Brücke zwischen der diskursiven Arbeit des Rates für Kulturelle Bildung und der künstlerischen Praxis junger, internationaler Nachwuchskünstler. YOU SAY ART I SAY WHAT wird gefördert durch die Stiftung Mercator.

Selbstverständnis und Aufgaben

Der Rat für Kulturelle Bildung ist ein unabhängiges Beratungsgremium, das sich umfassend mit der Lage und der Qualität Kultureller Bildung in Deutschland befasst. Ihm gehören zwölf Mitglieder an, die verschiedene Bereiche der Kulturellen Bildung repräsentieren: Tanz- und Theaterpädagogik, Musik- und Literaturvermittlung, Bildungsforschung, Erziehungswissenschaften, Pädagogik, Soziologie, Kulturwissenschaften, Medien, Kulturpolitik, Kulturelle Bildung und die Künste.

Mit dem von einem Stiftungsverbund berufenen Expertenrat gibt es erstmalig eine von politischen und sonstigen Interessen unabhängige fachliche Expertise, die das Feld der Kulturellen Bildung interdisziplinär betrachtet. Der Rat richtet sich mit seinen Analysen und Empfehlungen an eine breite Öffentlichkeit. Insbesondere ist es sein Ziel, mit den Verantwortlichen und Handelnden in Politik, Wissenschaft und Praxis der Kulturellen Bildung in ein intensives Beratungsgespräch zu kommen und dabei neben dem Handlungsbedarf auch neue Wege aufzuzeigen.

Der Rat veröffentlicht jährliche Denkschriften und Analysen, nimmt Stellung zu einschlägigen Themen und bringt seine fachliche Kompetenz aktiv sowie auf Nachfrage in Beratungen ein.

Kulturelle Bildung

Unter Kultureller Bildung versteht der Rat die Allgemeinbildung in den Künsten und durch die Künste. Diese umfasst auch die Bildung von Fähigkeiten und Haltungen, die es Menschen ermöglichen, die Welt und das eigene Leben unter ästhetischen Gesichtspunkten wahrzunehmen und zu gestalten.

Ziele und Herausforderungen

Ästhetische Wahrnehmung, Erfahrung und Praxis stellen einen Weltzugang eigener Art dar. Der Rat macht es sich zur Aufgabe, diese Dimension von Bildung in ihrem Eigenwert sichtbar zu machen und deren Anerkennung zu fördern. Er bringt Expertise aus Wissenschaft und künstlerischer Praxis zusammen. Dabei versteht er sich als Werkstatt offenen und kritischen Denkens und bietet eine Plattform des Austauschs auch über den Kreis der Ratsmitglieder hinaus. Der Rat gibt Impulse für die Praxis, die Politik und die Wissenschaft, z. B. durch Expertisen und Empfehlungen zu aktuellen Themen, Jahresgutachten und Fachgespräche und lädt Interessierte auf allen Ebenen dazu ein, in diesen kritischen Austausch einzutreten. Er will dazu beitragen, Kulturelle Bildung zu einer alltäglich erfahrbaren Wirklichkeit für alle werden zu lassen. Der Begegnung und Auseinandersetzung mit den Künsten kommt dabei besondere Bedeutung zu.